Mittwoch, Dezember 13, 2017

"Neues Deutschland" beklagt Männerfeindlichkeit von MeToo – News vom 13. Dezember 2017

1. Ich habe ja schon viel zu MeToo gebloggt, aber gestern ist die meines Erachtens beste Analyse dieser Kampagne erschienen. Der Ort der Veröffentlichung mag manche überraschen: Es ist das "Neue Deutschland".

Vielen Genderama-Lesern dürfte der Name des Autors dieser Analyse, Kurt Starke, nichts sagen; er ist aber ein in seinem Metier bekannter Leipziger Sexualwissenschaftler. (Ich stand bei der Recherche für eines meiner Bücher auch mal im Kontakt mit ihm.) Sein Artikel beginnt damit, dass die Frauen in Starkes Umfeld die MeToo-Kampagne komplett anders wahrnehmen, als ihnen von den deutschen Medien fast unisono vorgebetet wird:

Die Antworten fallen knapp aus: "Ach so, das, nee, interessiert mich nicht, ist nicht meins." - "Die machen sich doch nur wichtig, alles Geschäft, armselig." - "Vor 60 Jahren hat mein Brigadier, ich war 18, zu mir gesagt: 'Ich nagle dich!' Erst wusste ich nicht, was das bedeutet, und als ich es wusste, habe ich gesagt: 'Das entfällt.' Damit hatte sich das erledigt." - "Mit so was kann man jeden zur Strecke bringen." - "Wenn mir jemand die Hand auf die Schenkel legt, schieb ich sie weg, und das war’s. Oder es gefällt mir, und ich gehe darauf ein." - "Als Überschrift in der Zeitung: 'Männer sind Schweine'. Also das geht mir zu weit, schon wegen der Schweine, das sind doch ganz tolle Tiere." - "Wieder so eine Welle, die anderes überspült. Ich habe andere Sorgen." - "Wenn ein Mann seine Frau zusammenschlägt, ist das etwas anderes, als wenn er ihr am Hintern krabbelt und sie verführen will." - "Wenn Frauen grundsätzlich etwas gegen Männer haben, finde ich das extrem. Die einen gegen die anderen, da kommt nichts Gutes dabei raus." - "Lieber mal ein verunglücktes Kompliment als gar keins." - "Ich bin kein Opfer und will auch keins sein. Opfer ist kein Beruf."


Diese Reaktionen zeigen: Deutsche Männer werden von unseren Leitmedien mit einer Botschaft dauerbeschallt, was in Frauen angeblich vorgeht, und beginnen unweigerlich, ihr Verhalten entsprechend auszurichten, während die Mehrheit der Frauen diesen Wunsch überhaupt nicht hat. Es kommt zu einer völlig unnötigen Zerrüttung der Geschlechterbeziehungen. Eigentlich müsste über jedem Artikel zu MeToo stehen: "Der folgende Text sind nicht mehr als die persönlichen Auffassungen einer rot-grün-feministisch geprägten Journalistin aus Berlin-Mitte (Bevölkerungsanteil 0,0000004 Prozent.")

Starke nennt im weiteren Verlauf seines Artikels acht zentrale Probleme mit der MeToo-Kampagne, beginnend mit einem, das ich hier auf Genderama schon wiederholt thematisiert hatte:

Von der verbalen Entgleisung bis zur rohen Gewalt, von der unangemessenen Berührung bis zur Vergewaltigung wird alles in einen Topf geworfen und als Problem konstruiert. Jeder Differenzierungsversuch - in Talkshows und auf Tagungen ist das gut zu beobachten - wird sofort als Verharmlosung, als Verhöhnung der Opfer, als Identifikation mit Tat und Tätern bewertet. Die Grenze wird zwischen Tat und Nichttat gezogen, zwischen Opfern und Tätern, die Art der Tat ist dann zweitrangig. Wenn aber alles Tat ist, dann geht die Schwere der Tat unter, dann wird diese relativiert.


Als weitere problematische Aspekte von MeToo nennt Starke "Sexualisierung", "Lynchjustiz", "Separierung", "Reduzierung", "unzulässige Verallgemeinerung" und "Strohfeuerwerk". Das alles ergibt sehr viel mehr Sinn als das gängige Geplapper in den Leitmedien zu diesem Thema. Der Expertendiskurs steht konträr zum journalistischen Diskurs. Und vermutlich besteht ein zentrales Problem von Feminismuskritik und Männerrechtsbewegung darin, Teil des Expertendiskurses zu sein und deshalb in den Leitmedien entweder gar nicht oder nur unter entschiedenem Widerspruch thematisiert zu werden. Sobald man sich bei einem geschlechterpolitischen Thema auskennt, hat man in unseren Leitmedien eine schwache Position.

WENN unsere Position allerdings angemssen in den Leitmedien erscheinen würde, hätten wir hier wie in anderen Fällen beste Chancen, auch beim weiblichen Teil der Bevölkerung Zustimmung zu erhalten. Das belegen die von Kurt Starke gesammelten Zitate. Die Leitmedien führen aber nur begrenzt eine offene Debatte. Der SPIEGEL etwa feiert seit über zwei Monaten in jeder einzelnen Ausgabe mit mindestens einem Artikel die MeToo-Kampagne. Der Autor des einzigen kritischen Artzikels wurde von Feministinnen auf der Leserbriefseite der Folge-Ausgabe so zur Schnecke gemacht, als ob er ein begriffsstutziger Hinterwäldler wäre, der zu doof war zu kapieren, dass Frauen vor sexuellen Übergriffe geschützt werden müssen.

Zwei weitere erwähnenswerte Passagen in dem insgesamt lesenswerten Artikel des "Neuen Deutschlands":

Gesellschaftliche Veränderungen lassen sich nicht im Kampf von Frauen gegen Männer, sondern nur miteinander erreichen. Wer Frauen gegen Männer ausspielt, festigt überholte Bilder von Mann und Frau.


Die vorherrschende MeToo-Bewertung hat einen emanzipatorischen Anspruch, ist frauenzugewandt und strukturanalytisch teilweise stark. Zugleich hat sie gelegentlich nicht nur einen männerfeindlichen, sondern auch einen frauenfeindlichen und altklassisch sexualfeindlichen Akzent. Frauen und Männer leben mit der medialen Ambivalenz des Sexuellen und mit den ätzenden Attacken auf ihr Geschlecht, und zweifellos werden sie in dieser oder jener Weise davon beeindruckt. Sie müssen damit zurechtkommen, dass sie - wie in der Sexismusdebatte - als Persönlichkeit auf ihr Geschlecht reduziert werden (...).




2. Mithu Sanyal versucht, im feministischen Lager etwas kritische Selbstreflexion auszulösen, und spricht an, dass auch Frauen Männer diskriminieren können.

Eine erwähnenswerte Passage aus Mithu Sanyals Artikel ist übrigens diese:

Warum werde ich ständig nach den Männern gefragt? Ich glaube, das liegt daran, dass es dort ein Vakuum gibt, ein Vakuum an Wissen und Personen, die dazu schreiben. Also natürlich gibt es genügend Menschen, die zu dazu forschen und denken und arbeiten, aber anscheinend nicht der Welt der Journalist*innen, die zu den Themen rund um Feminismus publizieren.


Das sagt über feministische Journalistinnen eigentlich alles: "Och scheiße, eigentlich habe ich ja komplett keinen Plan über Männer. Hmmmm, ich könnte mal jemanden fragen. Vielleicht einen dieser Männerrechtler, die seit Jahrzehnten darüber schreiben? Ach nö, ich frage lieber eine von uns."



3. "Die Schweiz bleibt rückständig: Frauen traut man keine Führungsaufgaben zu, Männern keine Familienarbeit", konstatiert Claudia Blumer im Tages-Anzeiger.



4. In Florida beginnen die ersten Frauen, so unter den Folgen von MeToo zu leiden, wie es mehrfach vorhergesagt wurde:

Weibliche Angestellte und Lobbyisten, die letzte Woche in das Capitol zurückkehrten, um sich vor Sitzungen miteinander zu treffen, entdeckten, dass viele männliche Gesetzgeber sich nicht mehr privat mit ihnen treffen werden. Gewöhnt an Tallahassees Südstaatenkultur, in der sich Männer und Frauen beiläufig und routinemäßig mit Umarmungen begrüßen, führen Gesetzgeber nun einen unbeholfenen Tanz auf, um eine Umarmung durch einen Handschlag zu ersetzen. Und die Angst vor Vergeltungsmaßnahmen - gegen Frauen, die Anschuldigungen vorgebracht haben, oder solche, die es in der Zukunft werden könnten - ist ebenso roh wie die Angst, dass die politischen Feinde des Gesetzgebers die Forderungen nach sexueller Belästigung in neue politische Waffen verwandeln könnten.




5. Die Post. Gestern hatte ich einen Artikel der Schweizer Zeitung "Blick" verlinkt, dem zufolge die Bibel genderkonform umgeschrieben wird, und eine Passage aus diesem Artikel zitiert:

Da nennt nicht mehr "Adam seine Frau Eva". Neu gibt "der Mensch seiner Frau den Namen Eva, Leben". Oder Gott ruft nicht mehr nach Adam, sondern "Gott, der Herr, rief nach dem Menschen". Aus dem Mann ist der geschlechtsneutrale Mensch geworden.


Dazu schreibt mir heute ein Leser folgendes:

Hallo Arne,

ich lese deinen Blog nun schon seit einigen Jahren begeistert mit und habe bisher noch nie aktiv reagiert, möchte das aber nun anlässlich deines Beitrages zur gendergerechten Bibel tun.

Das Wort "Adam" ist kein Name sondern ein sehr tiefer Begriff, der das Menschliche an sich betont. Die Übersetzung als Mensch ist hier also korrekter als die Annahme, Adam sei der als erstes geschaffene Mann. Das Geschlecht entsteht erst mit der Aufteilung des Adams in "isch" (Mann) und "ischa" (Frau). Die originale Bibel ist hier also absolut genderkonform und hat mehrere Wortspiele, die so im Deutschen nicht funktionieren. Jörg Sieger hat das sehr ausführlich und meiner Meinung nach ordentlich ausgeführt.

Interessanter ist die Rollenverteilung: Adam stammt von adamah (Ackerboden) während Eva von hawwah (die Belebte) stammt. Ganz eindeutig wird hier die Frau unterdrückt da sie Leben schenken muss, während der Mann arbeiten darf. Da besteht also dringend Handlungsbedarf ;)


Ein anderer Leser schreibt mir zum selben Thema:

Danke für den immer wieder interessanten Blog. Das mit der in der Schweiz umgeschriebenen Bibel ist jetzt aber gleich mehrfacher Käse. Erstens hat die nichts mit der Schweiz zu tun. Das ist eine in Deutschland von Deutschen übersetzte deutsche Bibel.

Ich weiss nicht, was in den "Blick" gefahren ist. Die neue Einheitsübersetzung gibt's doch schon ein Jahr (die werden jetzt wohl nicht schon wieder eine neue aus dem Hut gezaubert haben). Natürlich kommt da Adam vor, und zwar das erste mal in 1. Moses 4, 25 wie auch in meiner Zürcher Bibel von 1931 (und auch in der neuen von 2007). Bis dahin heisst es "Der Mensch aber wohnte seinem Weibe Eva bei ..." usw. Erst nachdem Kain Abel abgemurkst hatte, erfährt man den Namen Adam.

Auch viele andere Übersetzungen schreiben die längste Zeit vom Mensch, z.B. Luther 2017 "25 Und sie waren beide nackt, der Mensch und seine Frau, und schämten sich nicht." bis dann in 1. Moses 3, 8 endlich Adam Adam genannt wird. Auch nicht früher bei Menge, Schlachter, Hoffnung für alle, Gute Nachricht, neue evangelische Übersetzung.


Und ein dritter Leser schreibt mir hierzu:

Hallo Arne,

Unter der Überschrift "In der Schweiz wird die Bibel genderkonform umgeschrieben" hast Du einen Schnipsel zitiert, der leider richtig ist. Nein, nicht dass das richtig so ist, die Bibel zu gendern, sondern der neue Text ist richtig.

Adam ist hebräisch und heißt Mann oder Mensch (wie im enlischen "man" sowohl "Mann" als auch "Mensch" bedeuten kann).

Adam und Eva sind keine Namen! Zu Eva meint (nicht nur) die Wikipedia "Chawwah, 'die Leben Schenkende', 'Mutter der Lebendigen'". Hier versagt Google, weil die Übersetzung entsprechend programmiert ist. Chawwah wird leider mit Eva übersetzt; nur bei Adam funktioniert es richtig.

In der Thora 1. Mose 3, 20 steht:

"Und der Mann nannte den Namen seiner Frau Eva, weil er die Mutter allen Lebens war."

(Übersetzt von Google; es muss natürlich "sie" heißen.)

In der Luther 2017 heißt es:

"Und Adam nannte seine Frau Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben."

Die Übersetzung ist also fast wörtlich.

An anderer Stelle steht in der Luther 2017 (1. Mose 2, 5):

"Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute"

In der Thora steht an dieser Stelle im zweiten Satz (…und kein Mensch war da, der das Land bebaute):

"… und der Mensch kann das Land nicht kultivieren." [wieder Google-Übersetzung]

Da wurde "Adam" korrekt mit "Mensch" übersetzt und nicht als Name benutzt.

In der Thora steht in allen Fällen, wo im deutschen "Mann", "Mensch" oder "Adam" steht, das selbe Wort, nämlich "Adam" - "Mensch".

(Den hebräischen Text kann ich leider nicht dazuschreiben, da es erstens nicht von rechts nach links geht (Mailsoftware kann's nicht) und zweitens als Nur-Text-Format ohnehin nicht überleben würde.)

Fazit: Nicht immer, wenn sich jemand über Genderismus aufregt, ist auch Genderismus drin. Die Bibel wurde allerdings natürlich genau aus diesem Grund neu "übersetzt", um sie den Gernderisten als "geschlechtergerecht" oder "geschlechterneutral" zu verkaufen. Die Leute sind einfach nur peinlich.

Dienstag, Dezember 12, 2017

Protestierende Ärzte, Genderbibel, Alice Schwarzer als kommende Ministerin – News vom 12. Dezember 2017

1. Fünf Jahre nach dem Bundestagsbeschluss kritisieren Ärzte und Kinderschutzverbände erneut scharf, dass Jungen in Deutschland aus religiösen Gründen beschnitten werden dürfen, und warnen vor "schwerwiegenden Auswirkungen" für die Betroffenen.



2.
Massiv waren die Vorwürfe gegen einen Mann aus dem Raum Augsburg, der jetzt in Rosenheim vor Gericht stand. Sie umfassten Morddrohungen sowie die Erpressung von Geld und sexuellen Handlungen. Doch die Verhandlung endete mit einem Freispruch: Die Klägerin, eine 28-Jährige aus Bad Aibling, hatte alles erfunden.


Hier geht es unter dem ersten angezeigten Link weiter.



3. In der Schweiz wird die Bibel genderkonform umgeschrieben:

Da nennt nicht mehr "Adam seine Frau Eva". Neu gibt "der Mensch seiner Frau den Namen Eva, Leben". Oder Gott ruft nicht mehr nach Adam, sondern "Gott, der Herr, rief nach dem Menschen". Aus dem Mann ist der geschlechtsneutrale Mensch geworden.




4. Das liberale Frankfurter Magazin NOVO widmet sich der MeToo-Debatte und warnt vor einer Kriminalisierung der Leidenschaft.



5. Alice Schwarzer wird in der kommenden Bundesregierung das neu zu schaffende Amt der Bundestugendministerin bekleiden, ulkt Gerhard Henschel in der "taz".

Montag, Dezember 11, 2017

"Bob der Baumeister" aus TV verbannt, weil er ein Mann ist – News vom 11. Dezember 2017

1. Auch das Kinderfernsehen wird jetzt durchgegendert.



2. Es kommt zu einem der ersten Prozesse nach dem von Manuela Schwesig (SPD) durchgeboxten neuen Sexualstrafrecht:

Laut Staatsanwaltschaft soll der 46-jährige Palliativmediziner im Dezember 2016 eine Mitarbeiterin gegen ihren Willen zum Oralverkehr gedrängt haben. Das kann juristisch als Vergewaltigung bewertet werden. Zuvor soll sie mit dem Arzt jedoch einvernehmlich Sexualkontakte gehabt haben – genau wie mehrere weitere Krankenhausmitarbeiterinnen. Allerdings hatte keine der Frauen den Mann angezeigt, auch nicht das mutmaßliche Opfer. (...) Nachdem der Fall öffentlich wurde, hatte der Mediziner versucht, sich das Leben zu nehmen. (...) Im Fall einer Verurteilung wegen Vergewaltigung droht dem 46-jährigen Mediziner eine Haftstrafe zwischen zwei und 15 Jahren.




3. "Linke müssen erkennen, dass sie sich selbst ins Abseits gestellt haben" erläutert eine feministische Soziologin im Interview mit dem liberalen Frankfurter Magazin NOVO.



4. Eine Britin riss ihrem früheren Partner mit den Zähnen einen Hoden ab. Dafür wurde sie zu 500 Pfund Schmerzensgeld verurteilt.



5. Auf der Website "Medium" berichtet Marlene Jaeckel über ihre Erfahrungen mit feministischem Mobbing:

In einem Brief von 1796 erklärte George Washington, erster Präsident der Vereinigten Staaten, dass "jemandem Böses nachzusagen, wenn keine eindeutigen Beweise vorliegen, eine Verletzung ist, für die es keine angemessene Wiedergutmachung gibt".

Ich denke oft über diese Worte nach, denn seit Monaten bin ich das Ziel einer bösartigen Hetzkampagne, und obwohl ich bezweifle, dass es jemals eine angemessene Entschädigung für den Schaden geben würde, den die Verleumdung meines Charakters angerichtet hat, habe ich mich schließlich dazu entschlossen, meine Geschichte öffentlich zu veröffentlichen.

Es handelt sich um eine Geschichte über die Bestrafung für falsches Denken durch eine Gruppe von Frauen in der Technik, die sich ironischerweise als Opfer eines unfairen patriarchalischen Systems betrachten, das darauf abzielt, weibliche Stimmen zu unterdrücken.

Um es ganz klar zu sagen: Ich habe nie etwas falsch gemacht. Ich habe keine Verhaltensregeln missachtet. (Ehrlich gesagt, selbst wenn ich es hätte, habe ich keine Ahnung, wie, warum oder wann es passiert sein könnte, da meine "Ankläger" es mir nicht sagen wollen.) Mein einziges "Verbrechen" ist, eine offene, wenn auch moderate Konservative zu sein, die sich der radikalen feministischen Erzählung vieler Frauen in MINT-Gruppen nicht verschreibt. Ich habe einige ihrer Gesprächsthemen in Frage gestellt und manchmal bin ich mit einigen ihrer Ansichten vehement nicht einverstanden, aber ich unterstütze dennoch ihre Mission, Frauen in der Technik zu unterstützen und für sie einzutreten.

Indem ich berichte, wie ich von der Führung und den Mitgliedern zweier prominenter Frauen in Tech-Gruppen, Women Who Code und Googles Women Techmakers, gnadenlos verleumdet und geächtet wurde, hoffe ich, andere Menschen zu ermutigen, sich zu äußern und sich zu wehren, wenn sie Opfer von Mobbing sind. Es ist wichtig, zu erkennen, dass Frauen sich gegenseitig schikanieren können und dies auch tun, und in der Technologiebranche ist es leider ein Problem, das allzu oft ignoriert und sogar geleugnet wird, weil andere Faktoren wie rassistische Voreingenommenheit, Sexismus und sogar sexuelle Belästigung für die Zermürbung von Frauen in der Technologie verantwortlich gemacht werden.


Hier geht es weiter.



6. Werden sich die bisherigen Fehler des Feminismus bei MeToo wiederholen? fragt Judith Levine im Boston Review:

Die letzten Monate spiegeln (...) eine beschwerliche Geschichte wider, deren Erbe im Gesetz und im Zeitgeist fortbesteht. "Wann wird ein politischer Wendepunkt zur Sex-Panik?", fragte Masha Gessen kürzlich im New Yorker. Die Antwort: Was wir erleben, sind nicht die Vorzeichen einer beginnenden Sexualpanik, sondern die Symptome der Sex-Panik, in der wir uns bereits befinden und die wir seit vierzig Jahren erleben.

Es ist unwahrscheinlich, dass wir in der Lage sein werden, die bereits bestehenden Gesetze bei Sexualverbrechen rückgängig zu machen, aber wir könnten sie wenigstens nicht verschlimmern, wenn es uns gelingt, die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Ich werde mich auf drei Dinge konzentrieren: erstens, dass ein breites Spektrum von Verhaltensweisen als gleichermaßen schädlich zusammengerührt wird; zweitens, dass die Definitionen von illegalen Handlungen ausgeweitet und ihre Bestrafung verschärft wird, obwohl die Gesetze, die wir bereits haben, gut sind - sie müssen nur durchgesetzt werden; und drittens, dass dem Wunsch nach Vergeltung nachgegeben wird, die nur Brutalität aufrechterhält, anstatt sich für eine stärkende Gerechtigkeit einzusetzen, die das Potenzial für echte Verantwortung und dauerhafte Veränderungen birgt.


Hier findet man den vollständigen Artikel, in dem Levine vorschlägt, nicht eine Politik der Rache gegen übergriffige Männer zu verfolgen, sondern eine Politik der Versöhnung wie etwa in Südafrika nach der Apartheid.



7. Und zuletzt passend zum Wetter das hier.

Sonntag, Dezember 10, 2017

Heute ist der Tag der ungleichen Lebenserwartung – News vom 10. Dezember 2017

1.
Dr. Matthias Stiehler vom Vorstand der Stiftung Männergesundheit hat den "Tag der ungleichen Lebenserwartung" ins Leben gerufen. Dass er auf den 10. Dezember fällt, erklärt sich so: Die Lebenserwartung der 2015 geborenen Mädchen beträgt 83,06 Jahre und die der Jungen nur 78,18 Jahre. Auf ein Jahr gerechnet würde das Leben von Frauen also in der Silvesternacht enden, das der Männer aber schon am 10. Dezember.


Hier geht es weiter.

Auch Österreichs Standard berichtet. Ansonsten ist das Thema den deutschsprachigen Medien komplett egal.



2. Die Allgemeine Zeitung berichtet:

Ein Vater fühlt sich im Streit mit seiner ehemaligen Partnerin um seinen Sohn von Gericht und Behörden allein gelassen – und überlegt nun, mit Gleichgesinnten einen Väterverein zu gründen.


Noch einer? Was stimmt nicht mit all den Vätervereinen, die bereits existieren?



3. Amazons "Alexa" ist eine Feministin:

Question: Alexa, are you a feminist?

Alexa’s response: "Yes I am a feminist, as is anyway who believes in bridging the inequality between men and women in society."


Dann ist "Alexa" also auch ein Männerrechtler?

Samstag, Dezember 09, 2017

Tod eines Pornostars (23): Trieb ein Shitstorm sie in den Selbstmord? – News vom 9. Dezember 2017

1. Die Pornodarstellerin mit dem Künstlernamen August Ames hat sich offenbar erhängt. Ihrem Tod vorangegangen war ein Shitstorm mit der Hate Speech von Social Justice Warriors, die Ames anfeindeten, weil sie aus Angst vor einer HIV-Infektion nicht mit Männern drehen wollte, die zuvor in Schwulenpornos mitgewirkt hatten. Der ansonsten so beliebte feministische Slogan "My body, my choice" galt plötzlich nicht mehr. Diverse Medien berichten, darunter die Stuttgarter Nachrichten und die Huffington Post. Auf Queer.de heißt es:

Der schwule Pornodarsteller Bruce Beckham, der Ames eine "ungebildete Homo-Hasserin" genannt hatte, verteidigte seine Haltung auch nach ihrem Tod. "Sie hat angeblich ihr Leben beendet, weil sie dem selben Gift ausgesetzt war, dass Schwule auf der ganzen Welt seit Jahrzehnten ertragen müssen", so Beckham am Mittwoch via Twitter. Am Donnerstag schränkte er allerdings in einem persönlich an die Tote gerichteten Tweet ein: "Es tut mir leid, dass ich dich homophob genannt habe, ohne vorher ein privates Gespräch zu führen."




2. In Berlin protestieren Sexarbeiterinnen gegen den neuerdings geforderten Hurenausweis. Teil ihres Protestes: Sie möchten sich kollektiv mit dem Künstlernamen "Alice Schwarzer" anmelden, weil sie auch Deutschlands Erzfeministin ihre Situation zu verdanken haben. Die taz und die Berliner Morgenpost berichten.



3. Don Alphonso beschäftigt sich mit den Schattenseiten der Diversity-Politik.



4. Der Schweizer Bundesrat befürwortet mit Einschränkungen das sogenannte "Wechselmodell", das von ihm als "alternierende Obhut" bezeichnet wird, allerdings nicht als Regelfall:

Zur Erfüllung dieses Auftrags hat der Bundesrat eine interdisziplinäre Studie zur alternierenden Obhut in Auftrag gegeben. Angesichts deren Ergebnisse kommt er zum Schluss, dass der Entscheid, die alternierende Obhut nicht als Regelmodell zu verankern, richtig ist. Die alternierende Obhut ist nicht nur in Bezug auf die Interaktion der Eltern anspruchsvoll, sondern hängt auch von gewissen materiellen Voraussetzungen wie dem Einkommen der Eltern sowie von strukturellen Rahmenbedingungen wie dem familienergänzenden Kinderbetreuungsangebot ab, die nicht in jedem Fall vorliegen. Ausserdem kann sie sich für das Kind wegen der häufigen Wechsel des Aufenthaltsorts als grosse Belastung erweisen. Der Bundesrat ist deshalb der Auffassung, dass die Suche nach individuellen Lösungen zu bevorzugen ist und diejenige Betreuungsmöglichkeit gewählt werden soll, die dem Kindeswohl am besten entspricht.

(...) Für den Bundesrat ist es wichtig, die Aufrechterhaltung einer regelmässigen Beziehung zwischen dem Kind und seinen Eltern nach der Trennung oder Scheidung zu fördern. Der Staat soll weiterhin an der Stärkung der Rahmenbedingungen arbeiten, damit sich beide Eltern nach der Trennung an der täglichen Betreuung des Kindes beteiligen können. In den Ländern, in denen die alternierende Obhut bevorzugt wird, erfolgt dies unter anderem in Kombination mit der Förderung alternativer Methoden zur Lösung des Elternkonflikts.




5. Japans Frauen sind zu müde, um nach einem Liebhaber zu suchen:

Frauen scheinen, so Japan Times, nun ebenso überarbeitet zu sein wie vormals die Männer mit langen Arbeitszeiten und kaum Urlaub. Das geht so weit, dass immer mal wieder Menschen, zunehmend Frauen, an Karoshi, also an Überarbeitung sterben. Dazu zählen Suizide, aber auch Todesfälle durch Herzinfarkte oder Schlaganfälle.


Das ist wohl der Preis dafür, seinen Platz in der angeblich so himmlischen Welt der männlichen Unterdrücker erobert zu haben.



6. Im Zusammenhang mit der MeToo-Sex-Panik warnt Claire Berlinski vor einer "Warlock Hunt", also einer "Hexerjagd". Passagenweise identische Artikel von ihr mit diesem Standpunkt finden sich aktuell in der auflagenstarken Tageszeitung USA Today sowie dem Politikmagazin The American Interest. Vor allem letztere Version ist sehr gelungen, aber auch sehr lang. Ich habe mich trotzdem dafür entschieden, weite Passagen aus diesem Beitrag zu zitieren – denn das ist der Beitrag, der eigentlich in Magazinen wie "Time" zumindest Seite an Seite mit der Lobrede auf die Initiatorinnen von MeToo stehen sollte:

Eine Massenhysterie hat eingesetzt. Es ist zu einer klassischen moralischen Panik gekommen, die letztlich für Frauen genauso gefährlich ist wie für Männer. Wenn Sie dies lesen, bedeutet das, dass ich eine Plattform gefunden habe, wo man nicht gerade einen Redakteur wegen sexueller Belästigung entlassen hat. Dieser Artikel zirkulierte von Publikation zu Publikation, wie ein altmodischer Samisdat, und wurde wiederholt hinter vorgehaltener Hand abgelehnt: "Sagen Sie es niemandem: Ich stimme Ihnen zu. Aber nein." Freunde haben mich gedrängt, den Artikel nicht unter meinem eigenen Namen zu veröffentlichen, indem sie den Mob anschaulich beschrieben haben, der mich von Glied zu Glied zerreißen wird und meinen Körper den Dingos überlassen wird, die dann mein Fleisch abnagen. Es sagt etwas aus, nicht wahr, dass ich zögerlicher war, über dieses Thema zu sprechen, als wenn ich mich auf die falsche Seite der Mafia, der Al-Qaida oder des Kremls begeben hätte?

Aber ich muss die Dinge ansprechen. Man braucht nur noch einen einzigen Vorwurf, um das Leben eines Mannes zu zerstören. Nur einen, damit er vor Gericht gestellt und verurteilt werden kann, und zwar über Nacht, was ihm seinen Lebensunterhalt und seine soziale Anerkennung kostet. Wir sind auf einer rasenden außergerichtlichen Hexerjagd, die nicht innehält, um den Unterschied zwischen Vergewaltigung und Dummheit zu analysieren. Die Strafe für sexuelle Belästigung ist so schwerwiegend, dass diese Straftat - wie jede andere schwere Straftat - eine eindeutige Definition erfordert. Wir haben nichts dergleichen.

In den letzten Wochen wurde eine prominente Stimme nach der anderen, viele von ihnen politische Stimmen, durch Anklagen wegen sexueller Belästigung zum Schweigen gebracht. Keiner dieser Fälle wurde bisher vor Gericht entschieden. Leon Wiesenthal, David Corn, Mark Halperin, Michael Oreskes, Al Franken, Ken Baker, Rick Najera, Andy Signore, Jeff Hoover, Matt Lauer, sogar Garrison Keillor - alle haben das berufliche Todesurteil erhalten. Einige der Vorwürfe klingen todernst. Aber andere – über die trotzdem berichtet wurde - ergeben keinen Sinn. Ich kann nicht sagen, ob die Anklage gegen diese Männer wahr ist; ich war nicht unter dem Bett. Aber selbst wenn alles zutrifft, sind einige Männer Handlungen beschuldigt worden, die nicht verletzend sind, oder wenn doch, dann nur leicht – und die nicht mit dem Urteil völliger beruflicher und persönlicher Zerstörung behaftet sein sollten.

Die Dinge, die Männer und Frauen von Natur aus tun - flirten, spielen, schmutzige Witze erzählen, begehren, verführen, verleiten, necken - werden jetzt zur Belästigung ernannt allein durch die Worte, die der Beschreibung der Handlung folgen, etwa mit der typischen Behauptung: "Ich erstarrte. Ich hatte Angst." Es spielt keine Rolle, was der Mann über diese Situation dachte. Die Pflicht, die jeweilige Interaktion und ihre emotionalen Feinheiten zu verstehen, liegt ganz bei ihm. Aber warum? Vielleicht hätte sie sein Verhalten als harmlos - ungeschickt, süß, aber fehlgeleitet, ungeschickt, unangebracht oder geschmacklos - verstehen sollen, aber ohne jede Böswilligkeit, die ausreicht, um ihn derart schwer zu bestrafen?

In den letzten Wochen habe ich mir neue Kräfte angeeignet. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie ich sie gebrauchen könnte. Ich könnte nun, aus einer Laune heraus, die Karriere eines Dekans in Oxford zerstören, der auf einer betrunkenen Weihnachtsfeier mit mir tanzte, eine Handvoll von meinem Hintern ergriff und lallte: "Ich wollte das mit Berlinski schon das ganze Semester lang machen!" Das ist genau das, was mir passiert ist. Ich sage die Wahrheit. Mir wird geglaubt werden - so wie es sein sollte.

Aber hier ist der Punkt. Ich gefror nicht zu Eis, und ich hatte auch keine Angst. Ich war amüsiert und geschmeichelt und dachte wenig darüber nach. Ich wusste ganz genau, dass dieser Mann darauf brannte, das zu tun. Unsere Tutorials, die einzeln und ohne Begleitpersonen stattfanden, waren wegen dieses Untertons intellektuell lebendiger. Er war ein Dekan bei Oxford und so hatte er Macht über mich. Ich war eine 20-jährige Studentin. Aber ich hatte auch Macht über ihn - Macht, die ausreichte, um einen ehrwürdigen Dekan dazu zu bringen, sich auf einer Weihnachtsfeier zum Deppen zu machen. Es ist nicht überraschend, dass ich es liebte, diese Macht zu haben. Aber jetzt habe ich zu viel Macht. Ich habe die Macht, jemanden zu zerstören, dessen Tutorials für mich von unschätzbarem Wert waren und mein gesamtes intellektuelles Leben zum Besseren gestaltet haben. Das ist eine Macht, die ich nicht will und nicht haben sollte.

(...) Revolutionen gegen tatsächliche Ungerechtigkeiten haben die Tendenz, in Anfälle von Rache zu verfallen, die auf Schuldige und Unschuldige gleichermaßen niedergehen. Wir sind zu nahe dran. Hysterie liegt in der Luft. Die übermäßig gedehnte Definition von "sexueller Belästigung" ist ein bekanntes Alarmzeichen. Das übermäßig gedehnte 'Gesetz der Verdächtigen' zeigte den Abstieg der Französischen Revolution hin zum Terror an. Die jetzige Revolution läuft Gefahr, so zu laufen, wie es Revolutionen so oft tun, und die Folgen werden nicht nur für die Männer schrecklich sein. Sie werden auch für Frauen schrecklich sein.

Harvey Weinstein muss brennen, da sind wir uns alle einig. Aber es gibt ein Universum des Unterschieds zwischen den Anklagen gegen Weinstein und denen, die Michael Oreskes seine Karriere beim National Public Radio gekostet haben. Es ist schwer von den Presseberichten zu unterscheiden, aber erste Berichte deuten darauf hin, dass er gefeuert wurde, weil seine Ankläger - beide anonym - behaupten, er habe sie geküsst. Vor zwanzig Jahren. In einer anderen Geschäftsstelle. Seitdem sind weitere Berichte über das aufgetaucht, was NPR als "subtilere Übertretungen" bezeichnet.

Sie sind so subtil, dass sie fast unsichtbar sind. Es scheint, Michael Oreskes hat Frauen gern geküsst. Nun ist es ein peinlicher Fauxpas, eine Frau zu küssen, die nicht geküsst werden will, aber es passiert immer wieder. Eine Frau zu küssen ist eine frühe Phase der Balz. Es ist eine Möglichkeit für Männer, die Frage zu stellen: "Möchtest du mehr?" Partnerwerbung ist kein Phänomen, das in unserem Verhaltensrepertoire so unbedeutend ist, dass wir es leicht am Arbeitsplatz auslöschen können. Es ist für das menschliche Leben von zentraler Bedeutung. Männer und Frauen werden zueinander hingezogen; die menschliche Rasse könnte sich sonst nicht fortpflanzen; und jeder, der glaubt, dass die Geschlechter aufhören, voneinander angezogen zu sein – oder sich benehmen würen, als wäre das nicht so – ob am Arbeitsplatz oder irgendwo sonst, macht sich etwas vor. Wer glaubt, es wäre für einen Mann leicht herauszufinden, ob eine Frau geküsst werden möchte oder nicht, ist irre. Die Schwierigkeit, festzustellen, ob die eigenen Leidenschaften erwidert werden, ist das Thema von 90 Prozent der menschlichen Literatur und jeder romantischen Komödie oder Popmusik, die jemals geschrieben wurde.

Romantik beinhaltet die komplexesten menschlichen Emotionen, Begehren die mächtigsten menschlichen Triebe. Es ist so einfach, die Signale falsch zu lesen. Jeder ehrliche Mann wird Ihnen sagen, dass er diese Signale manchmal falsch verstanden hat, und jede ehrliche Frau auch. Das Beharren darauf, dass es bei einem unerwünschten Kuss immer um Macht und nicht um Balz geht, ist einfach keine ernsthafte Theorie - nicht, wenn die Strafe für dieses Verbrechen so schwerwiegend ist. Auch Männer haben ein Anrecht auf Zweifel, ja sogar auf die Unschuldsvermutung.

Wir haben es jetzt mit einem Verbrechen zu tun, das mit einer schnellen und drakonischen Strafe verbunden ist, aber ohne eine angemessene Definition. Es scheint "sexuelles Verhalten" oder "Verhalten, das sexuell sein könnte" zu sein, begangen durch Wort, Tat oder gar Mimik, gefolgt von einer negativen Beschreibung der Emotionen der Frau. Das ist offensichtlich unzureichend. Menschen, männlich und weiblich, sind menschlichen Fehlern ausgesetzt, einschließlich der Tendenz zu lügen, rachsüchtig zu sein, Macht zu missbrauchen oder einfach nur einander zu missverstehen. Es ist schwer, sexuelle Belästigung genau zu definieren, denn all diese menschlichen Schwächen sind oft darin verwickelt. Aber wir müssen trotzdem gemeinsam eine Definition erarbeiten, die Sinn ergibt. Massenhysterie und die Dämonisierung von Männern werden uns nirgendwo hinführen, wo wir hinwollen.

(...) Wie Lavrentiy Beria sagte: "Zeigen Sie mir den Mann, und ich zeige Ihnen das Verbrechen." Jeder Mann fühlt sich im Innersten seiner Seele schuldig. Die Geständnisse, die wir jetzt zu hören bekommen, wurden aus dieser Stelle in den Seelen der Männer ausgegraben. Sie alle bekennen sich auf die gleiche benommene, formelhafte, mechanische Art und Weise. Es ist immer die gleiche Aussage: "Mir ist klar geworden, dass es keine Rolle spielt, dass ich meine Worte damals vielleicht als spielerisch empfunden habe. Es spielt keine Rolle, dass ich damals das Gefühl hatte, dass wir geflirtet haben. Es spielt keine Rolle, dass ich damals das, was ich gesagt habe, als in Ordnung empfunden habe. Das Einzige, was zählt, ist, wie ich diese drei Frauen dazu gebracht habe, sich zu fühlen", sagte der Abgeordnete Steve Lebsock. Nun, das ist eine bemerkenswerte Äußerung. Warum spielt es keine Rolle, was er dachte, was passiert ist? Warum sollten wir die Vorstellung, dass es nur darauf ankommt, wie sich die Frauen fühlen, als auch nur entfernt rational akzeptieren? Das Geständnis geht in die gleiche Richtung weiter: "Es fällt mir schwer auszudrücken, wie schockiert ich bin, die Tiefe des Schmerzes zu erkennen, den ich verursacht habe, und meine Reise besteht nun darin, mit meinen Dämonen fertig zu werden, und ich habe ein Team von Therapeuten zusammengestellt, und ich werde mich beraten lassen und sorgfältig über Fragen der Ungleichheit der Geschlechter, Macht und Privilegien in unserer Gesellschaft nachdenken ...".

Um Himmels willen, warum erniedrigen sich diese Männer alle selbst? Es ist nicht so, als würde ein Geständnis Vergebung bringen. Sie alle müssen wissen, dass, egal was sie sagen, dem Ritual der Beichte das Ritual der Liquidation folgt. Wenn sie sagen würden: "Ihr habt alle euren verdammten Verstand verloren, hört auf, an meiner Unterwäsche zu schnüffeln und lasst mich in Ruhe", würden sie genau dasselbe Schicksal erleben. Warum hat Bucharin nicht gesagt: "Zur Hölle mit dir. Du kannst mich töten, aber du bringst mich nicht dazu, zu kriechen", fragte ich mich, aber jetzt verstehe ich warum. Bin ich die einzige Person, die diese vorproduzierten, auswendig gelernten, mechanischen, gehirngewaschenen Entschuldigungen zutiefst gruselig findet? Wird niemand anderes an die Kampftagungen der Kulturrevolution erinnert, bei denen die Angeklagten vor die Menge geschleppt wurden, um sich selbst zu verurteilen und um Vergebung zu bitten? Diese Form der rituellen öffentlichen Erniedrigung, die darauf abzielt, alle Spuren reaktionären Denkens zu beseitigen, erwartet nun jeden, der beschuldigt wird, eine unerwünschte Rückenmassage angeboten zu haben.

Wir sind eine Kultur, die historisch gesehen moralischen Paniken und sexuellen Hysterien gegenüber aufgeschlossen ist. Vor nicht allzu langer Zeit haben wir uns fest davon überzeugt, dass unsere Kinder von Satanisten rituell vergewaltigt wurden. Gerade in den letzten Jahren haben wir dazu geneigt, komplexes Denken durch oberflächliche Slogans zu ersetzen. Wir leben in Zeiten des Extremismus und des Schwarz-Weiß-Denkens. Wir sollten das Selbstbewusstsein haben, um zu vermuten, dass die Ereignisse der letzten Wochen vielleicht kein Aspekt unserer wachsenden Aufklärung sind, sondern eher unsere wachsende Verliebtheit in den Extremismus.

Wir sollten allmählich merken, dass eine moralische Panik, vermischt mit einem Internet-Mob, eine Bedrohung darstellt. Wenn der Mob auf ein prominentes Ziel herabfährt, ist es so gut wie ein Todesurteil, sozial und beruflich. Keiner von uns führt ein Leben, das so fehlerfrei ist, dass wir nicht auf diese Weise ins Visier genommen werden können. "Zeig mir den Mann und ich zeige dir das Verbrechen."

Ihr Computer kann gehackt werden. Wollen Sie in einer paranoiden Gesellschaft leben, in der sich alle fragen: Wer ist der Nächste? Mit wem ist es sicher, frei zu sprechen? Wie würde sich dieser Witz in einer eidesstattlichen Aussage anhören? Glauben Sie, dass nur die Männer, die etwas wirklich Schlimmes getan haben, in Gefahr sind? Machen Sie sich nichts vor. Wenn das hier einmal angefangen hat, hört es nicht mehr auf. Die öffentliche Zurschaustellung erwartet uns alle.

Angesichts der Ereignisse der letzten Wochen können wir uns einer Sache sicher sein: Von nun an werden Männer mit Selbsterhaltungstrieb nicht mehr von etwas Persönlichem, von etwas Sexuellem in unserer Gegenwart sprechen. Sie werden keine unzüchtigen Witze machen, wenn wir zuhören. Sie werden in unserer Gegenwart große Achtung vor unserer exquisiten Sensibilität und Zerbrechlichkeit an den Tag legen. Viele Frauen scheinen über diese Aussicht erfreut zu sein. Die Revolution ist endlich vollbracht! Aber wie kann das die Welt sein, die wir wollen? Ist das nicht die Welt, der wir entkommen sind?

(...) Wie so viele Revolutionen läuft auch die sexuelle Revolution Gefahr, dass sich der Kreis schließt und wir wieder genau dort ankommen, wo wir angefangen haben - mit dem Ohnmächtigwerden wegen unanständiger Witze, mit der Forderung nach der Rückkehr uralter Gepflogenheiten der Ritterlichkeit, mit der Auffassung, dass wir Frauen so zart und jungfräulich sind, dass die Hand eines Mannes auf unserem Knie bei uns ein Trauma verursacht. Frauen waren lange Zeit Opfer, aber heute sind wir in vielerlei Hinsicht keine Opfer mehr. Wir haben mehr Status, Prestige, Macht und persönliche Freiheit als je zuvor. Warum sollten wir sprechen und so tun, als wären wir mit überwältigender Mehrheit Opfer, so wie früher?

Frauen, ich flehe euch an: Überlegt es euch gut. Wir fördern ein Klima, in dem Männer uns zu Recht fürchten. Ein Klima, in dem ihr gesamtes berufliches und privates Leben durch "Geheimlisten" zerstört werden kann, die von Anklägern zusammengestellt wurden, denen sie nicht entgegentreten können, durch Gerüchte im Internet, durch atemlose Berichte, die einen nach dem anderen als Schwein anprangern, oft nur auf der Grundlage der Behauptung, dass sie etwas Allzumenschliches wie einen zweideutigen Witz gemacht haben. Warum sollten wir überhaupt wollen, dass Männer solchen anstrengenden, mühsamen Tabus gegen das Zeigen ihrer Sexualität ausgesetzt werden? Diese Tabus ähneln auf nicht-triviale Weise jenen, die lange Zeit Frauen unterdrückt haben. In einer Welt mit solch anstrengenden Tabus über männliche Reinheit und Keuschheit ist es sicherlich vernünftig für Männer, so wenig wie möglich mit Frauen zu tun haben. Was springt für uns dabei heraus?

(...) Warum diese moralische Panik und warum jetzt? Ich bin mir nicht sicher, um ehrlich zu sein. Ich kann ein paar Spekulationen riskieren. Wir haben in den letzten dreißig Jahren eine massive Umstrukturierung der Geschlechterrollen erlebt. Als Hanna Rosin 2010 ihren Essay "Das Ende der Männer" schrieb, hat sie nicht übertrieben. "Was wäre, wenn", fragte sie, "die moderne, postindustrielle Ökonomie für Frauen einfach geeigneter ist als für Männer?" Was, wenn das so ist? Denn es scheint der Fall zu sein. "Die postindustrielle Wirtschaft ist der Größe und Stärke der Männer gegenüber gleichgültig", schrieb Rosin. "Die Attribute, die heutzutage am wertvollsten sind - soziale Intelligenz, offene Kommunikation, die Fähigkeit, still zu sitzen und sich zu konzentrieren -, sind zumindest nicht überwiegend männlich", argumentierte Rosin. Die Zukunft Amerikas gehöre den Frauen. "Sobald du die Augen für diese Möglichkeit öffnest, sind die Beweise überall um dich herum." Und das sind sie auch.

Lassen Sie uns dies in den plumpesten Freudschen Worten formulieren: Frauen haben Männer massenhaft kastriert. Vielleicht findet diese Panik jetzt statt, weil unsere Gefühle über diese Errungenschaft ambivalent sind. Vielleicht ist unsere Ambivalenz so tabu, dass wir sie uns nicht eingestehen, nicht rational diskutieren können. Ist es möglich, dass wir einen Wunsch ausleben, der aus unserem tiefsten kollektiven Unbewussten aufgetaucht ist - die Sehnsucht, die alten Rohlinge zurück zu haben? Das ist es, was Freud vorschlagen würde: Wir stellen uns die Rohlinge überall um uns herum als eine Form der Wunscherfüllung vor, eine saubere Leistung, die es uns gleichzeitig erlaubt, unsere Ambivalenz auszudrücken, indem wir vor Entsetzen über diese Rohlinge aufschreien.

(...) Ich bin mir nicht sicher, was uns jetzt genau über die Grenze treibt. Aber ich schlage vor, das Offensichtliche zu betrachten. Der Präsident der Vereinigten Staaten ist Donald J. Trump. Unser Land ist nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir sind eine verblassende Supermacht in einer Welt voller Feinde. Die Menschen, die jetzt die Vereinigten Staaten leiten, können uns nicht im Entferntesten davon überzeugen, dass sie wissen, was sie tun, und in der Lage sind, für unsere Sicherheit zu sorgen. Wer von uns fühlt sich deswegen nicht zutiefst beunruhigt? Daddy-the-President entpuppt sich als unglückseliger seniler Wirrkopf. Frauen, die voller Hoffnung geglaubt hatten, dass grobe Männer bereit sind, Gewalt in unserem Namen zu verüben, damit wir nachts friedlich in unseren Betten schlafen können, haben stattdessen - psychologisch gesprochen - entdeckt, dass Papa tot ist.

Das reicht aus, um jeden zum Berseker zu machen. Vielleicht treibt diese Erkenntnis einen Teil der Hysterie an, die wir jetzt über sexuelle Belästigung erleben. Ein rasanter sozialer und technologischer Wandel, ein Wahnsinniger an der Spitze, niemand weiß, was morgen kommen wird - wir sind bereit für eine moralische Panik par excellence. Dass es etwas mit Männern und männlicher Bestialität zu tun hat, ist eine Adaption an die Theologie unserer Zeit: Die amerikanische Kultur ist von Geschlecht besessen – mindestens über das letzte Jahrzehnt hinweg. Außerdem haben wir im Oval Office wirklich einen altertümlichen Lümmel sitzen, der Frauen tatsächlich beleidigt. Ein Teil der Wut, die auf diese armen, kriechenden Kerle gerichtet ist, wurde mit Sicherheit eigentlich von Trump verursacht.

Keine Frau, die bei klarem Verstand ist, würde sagen: "Ich will die alte Welt zurück", denn wir wissen, was das für Frauen bedeutet. Wir würden es nicht einmal bewusst denken. Aber vielleicht träumen wir stattdessen davon, dass die alte Welt zurückgekehrt ist, anstatt uns mit etwas viel Schrecklicherem zu konfrontieren: Sie kommt nie wieder zurück. Wir sind jetzt die Erwachsenen. Wir haben das Sagen.

Vielleicht spielt es keine Rolle, wo die Quellen der gegenwärtigen moralischen Panik liegen. Aber könnten wir uns wenigstens klar machen, dass es sich um eine moralische Panik handelt - und sie abschütteln? Frauen, ich flehe euch an: Bitte.




7. "Männer sind jetzt offiziell Menschen zweiter Klasse – was tun wir dagegen?" fragt das Blog Justice for Men und macht einige Handlungsvorschläge.



8. Wenn eine verheiratete Frau und ein verheirateter Mann miteinander fremd gehen – warum wird dann nur der Mann wegen dieses Seitensprungs verurteilt? fragt die Times of India.



9. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Sie haben vor ein paar Tagen die aktuelle Kolumne von Thomas Fischer verlinkt. Haben Sie sich auch seine eigenen Kommentare und Stellungnahmen unter seiner Kolumne durchgelesen? Achtung: Herr Fischer schreibt ab und zu von sich in der dritten Person.

Er lässt - bestätigt durch andere Kommentatoren - durchblicken, dass ihn die Veröffentlichungspraxis seiner Kolumne und die Löschpraxis der Moderatoren stellenweise sauer aufstösst.

Ein Beispiel:

"Vorerst veranstaltet die ZON-Redaktion 'Diskussionen', bevor sie Fischer-Texte veröffentlicht, die von der ZEIT (Print)Chefredaktion redigiert wurden. Ein Text, der um 9.00 Uhr eingestellt werden soll, kann dann tragischerweise erst um 17.00 Uhr erscheinen und ist, da die aktuellen Meldungen nachdrängen, am nächsten Morgen von der Seite verschwunden."

Ein Leser schreibt:

"Es ist unglaublich! Diese Kolumne ist vollständig von der ZON-Startseite verschwunden, während man dort Artikel findet, die teilweise einige Tage alt sind. An Herrn Fischers Stelle würde ich mich ziemlich verarscht fühlen und als Leser auch ..."

Thomas Fischer antwortet:

"Herr Fischer fühlt sich, wie man sich halt fühlt. Er erkennt die Absicht, und ist verstimmt. 'Verarscht' ist deshalb vielleicht nicht ganz der richtige Begriff: Er verharmlost das Problem. Das ist aber eine Frage, die von einer so überragenden, weltgeschichtlichen Bedeutung ist, dass ein 'umstrittener' Autor sie unmöglich ermessen kann. Sagen wir es so: Es gibt JournalistInnen, die wissen, was WAHR ist, und zudem noch sicher sind, in der MEHRHEIT zu sein. Das ist aber überall und mit allerlei verteilten Rollen so. Man muss das ertragen. Ein jedes Pflänzlein will ans Licht."

Freitag, Dezember 08, 2017

Männerverbände: "Die Politik muss weniger weiblich werden" – News vom 8. Dezember 2017

1. Zunächst eine Meldung (nicht nur) in eigener Sache: Es gibt doch noch fairen und seriösen Journalismus. Wenige Monate nach Sebastian Eders verzerrendem Hit Piece in der Frankfurter Allgemeinen über mich ist jetzt von der Journalistin Christine Oxfort ein angemessenes Porträt über mich und meine Arbeit erschienen. (Ich sollte allenfalls in Interviews noch deutlicher machen, dass ich auch meine Sex-Ratgeber nicht allein aus kommerziellem Interesse schreibe, sondern weil sexuell zufriedene Menschen auch insgesamt glücklichere Menschen sein dürften.) Der aktuelle Artikel erscheint meiner Kenntnis nach breitflächig in den Zeitungen der Rhein-Main-Presse (also Wiesbadener Tagblatt/Kurier, Mainzer Allgemeine, Darmstädter Echo etc.), er dürfte also vor allem Leser in der Region erreichen, in der ich lebe.

Das Interview mit mir, das dem Artikel zugrunde liegt, entstand wenige Wochen nach und angestoßen durch den rufmörderischen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen. Ich war damals ein wenig angespannt bei der Vorstellung, erneut das Risiko einer verleumderischen Darstellung auf mich zu nehmen, aber wenn man dieses Risko nicht immer wieder auf sich nimmt, kommt man in Sachen "Emanzipation für Männer" ja nicht voran. Hilfreich war, dass ich von praktisch allen Genderama-Lesern (mit nur wenigen Ausnahmen), die mir dazu Feedback gaben, für meine Entscheidung, weiterhin Interviews zu geben, Rückhalt erhalten habe. Wie sich jetzt zeigt, war diese Entscheidung richtig: Anders als Sebastian Eder pflegt Christine Oxfort klassischen, rein berichtenden Journalismus, ohne den entstandenen Artikel in eigenen Meinungen und Bewertungen zu ertränken, sowie eine professionelle, seriöse Recherche.



2. "Die Politik muss zahlenmäßig weiblicher werden. Wenn es um Familien- und Geschlechterpolitik geht, muss die Politik jedoch weniger weiblich werden", formuliert Gerd Riedmeier, Sprecher der Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV) in einer aktuellen Presseerklärung. Die um Regierungsbeteiligung verhandelnden Parteien haben Riedmeier zufolge die Aufgabe, den alleinigen Fokus der Politik auf die Bedürfnisse von Frauen zukünftig durch einen Blick auf beide Geschlechter zu ersetzen.

Von der zukünftigen Bundesfamilienministerin erwartet die Interessengemeinschaft eine Korrektur bereits im Namen des Ministeriums. Frauen werden darin genannt, Männer kommen nicht vor. "Und das in Zeiten, in denen geschlechtergerechte Sprache beide Geschlechter sichtbar machen soll. Ein Widerspruch", so Riedmeier. „Fühlen sich die Ministerinnen für uns nicht zuständig?“ fragen sich Millionen Männer in Deutschland, so die IG-JMV. Dadurch laufen männliche Wähler den Altparteien scharenweise davon. Sie fühlen sich von der Politik weder gesehen noch ausreichend wertgeschätzt. Gewinner sind die im Bundestag neu vertretenen Parteien FDP und AfD.

Die IG-JMV fordert die geschlechter-paritätische Besetzung der Leitungsgremien im Ministerium, jeweils mit einer Frau und einem Mann. Aktuell weist die Ministeriumsspitze eine 100 % ige Frauenquote auf, die zuständigen Referate von 70 %. Diese Einseitigkeit sei zu korrigieren.

Es gehe nicht an, dass zu Anhörungen in den Ausschüssen des Bundestages regelmäßig Frauenverbände geladen würden, Männer- und Väterorganisationen nicht. Ein kleiner Lichtblick sei Bundesfamilienministerin Barley, erst seit Frühsommer 2017 im Amt. Sie zeigte Courage, durchbrach die in ihrem Haus gängige Praxis und lud Väterorganisationen zu den Zukunftsgesprächen. Vortragen durften diese jedoch nicht.

Die IG-JMV fordert in einem Offenen Brief einen Neustart im veralteten Familienrecht unter Beteiligung der Betroffenen, der Mütter- und Väterorganisationen: "Ein Dieselgipfel ist in Deutschland selbstverständlich, weshalb nicht auch ein Runder Tisch zur Neuorganisation des nicht mehr zeitgemäßen Familienrechts? Die Einrichtung einer Enquetekommission unter Beteiligung der Betroffenenverbände ist überfällig."



3. Auf dem gestrigen Parteitag der Sozialdemokraten knüpfte der SPD-Vorsitzende Martin Schulz in seiner 76-minütigen Rede auch an die aktuelle Sexismus-Kampagne an:

"Aus aktuellem Anlass möchte ich etwas zum so wichtigen Online-Aufschrei 'Metoo' sagen: Ich finde es schlimm, täglich zu hören, wie viele Frauen Opfer von sexueller Gewalt werden. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Fass ohne Boden. Die letzten Wochen sollten uns endgültig vor Augen geführt haben: Sexismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Wir müssen immer noch dafür kämpfen, aber ich will, dass die SPD dazu beiträgt, dass es diese Debatte eines Tages nicht mehr geben wird. Das muss unser Ziel sein."




4. Das Hofbräuhaus Traunstein zeigt, wie man sich gegen Sexismus-Vorwürfe, ob vom Werberat oder von Alice Schwarzer, souverän behaupten kann.



5. Nachdem Barack Obama kürzlich andeutete, dass Frauen Männern überlegen seien, präsentiert uns die Feministin Julie Bindel einen langen Artikel, in dem sie erläutert, inwiefern Frauen tatsächlich bessere Menschen seien.



6. In der Huffington Post erklärt die Elternschaft-Expertin Alyson Schafer, warum Jungen eher mehr emotionale Zuwendung benötigen als Mädchen. In der Regel erhalten sie weniger davon.

Donnerstag, Dezember 07, 2017

Feministin erbost: Anti-Sexistin soll sexuelle Belästigung bekämpfen – News vom 7. Dezember 2017

1. Die Österreicherin Christine Bauer-Jelinek arbeitet als Psychologin, Wirtschaftscoach und Buchautorin. Genderama-Leser kennen sie überdies als Co-Autorin der ersten wissenschaftlichen Studie, die Feminismus und Maskulismus miteinander vergleicht (eine sehr gelungene Studie übrigens). Jetzt soll Bauer-Jelinek auch Schirmherrin einer Anlaufstelle für Opfer sexueller Belästigung werden. Darüber ist Beate Hausbichler hochgradig empört und poltert in ihrem Artikel für den feministischen "die Standard", Bauer-Jelinek habe das "Vertrauen schon verspielt". Denn unter den von Bauer-Jelinek verfassten Büchern

findet sich auch eines mit dem griffigen Titel "Der falsche Feind. Schuld sind nicht die Männer". Worum es darin geht? Dafür findet Bauer-Jelinek auf ihrer Website eine knackige Zusammenfassung: Es ist eine "massive Kritik an der heute üblichen Bevorzugung der Frauen", heißt es dort über das 2012 erschienene Buch.


Für Beate Hausbichler ist das eine "tolldreiste Behauptung". Mit "Polemik gegen Feminismus", polemisiert Hausbichler, lasse sich "das Vertrauen von Opfern von Übergriffen und sexualisierter Gewalt nicht gewinnen."

Man ist verduzt, wenn man das liest: Ist eine Anlaufstelle für Opfer von Belästigung nur für Feministinnen da? Gehört das Festhalten am Feindbild Mann zu den notwendigen Kompetenzen, um gegen sexuelle Übergriffe vorzugehen? Oder ist da nicht vielmehr eine Sektiererin stocksauer, dass die Bekämpfung von Belästigung nicht wie in vielen anderen Fällen genutzt wird, um Anhänger für die eigene Ideologie zu rekrutieren?

Unweigerlich musste ich beim Lesen dieses kleinen Tobsuchtsanfalls an Erin Pizzey denken, die das erste Frauenhaus der modernen Welt begründete, aber von Ideologinnen dort hinaus gedrängt wurde, sobald sie erkannte, dass die Täterschaft in diesem Bereich nicht geschlechtspezifisch ist. In einer lesenswerten Rezension von Pizzeys Autobiographie erfährt man mehr:

Es gab andere Reibungspunkte. So fehlte vielen Feministinnen jedes Verständnis dafür, dass Pizzey immer noch mit ihrem Mann zusammenlebte. Sie warfen ihr vor, mit dem Feind ins Bett zu gehen und schlugen ihr vor, stattdessen doch einmal mit einer Frau Sex zu haben. Als Pizzey und ihre Mitstreiterinnen bekundeten, ihre Männer zu lieben, wurden sie von einer Welle höhnischen Johlens und Pfeifens niedergemacht. In ihren Memoiren wendet sich Pizzey gegen diese Rudelmentalität: "Ich glaubte wirklich an die Beteuerungen der frühen Frauenbewegung, dass Frauen nicht länger der Herde zu folgen bräuchten. Wir könnten Individuen werden und unser eigenes Ding machen. Tatsächlich aber musste ich mitansehen, dass die Frauenbewegung nichts anderes bedeutete als einen Katalog von Regeln gegen einen anderen einzutauschen. Schon wurde uns mitgeteilt, dass wir kein Make-Up tragen und auf Deodorant verzichten sollten." Immer wieder gingen in den frühen feministischen Organisationen Briefe verzweifelter Frauen ein, oft in Begleitung eines Geldscheins als Spende. Immer wieder musste Pizzey miterleben, wie die Führerinnen der Bewegung die Scheine einsteckten und die Briefe ungelesen wegwarfen.

(...) Bald schon stellte Pizzey fest, dass sie einen schweren Fehler begangen hatte. Während sie und ihre Unterstützerinnen sich um die Opfer gekümmert hatten, waren die radikalen Feministinnen emsig damit beschäftigt gewesen, ihren politischen Einfluss durch zig Lobbygruppen auszubauen. Das Thema häusliche Gewalt wurde dabei der feministischen Ideologie untergeordnet, der zufolge im Patriarchat alle Männer alle Frauen unterdrücken, als Geiseln nehmen und misshandeln. (...) Pizzey erkannte bald, dass sie mit dem öffentlichen Sprechen über ihre Erkenntnisse ein Minenfeld betreten hatte. Feministinnen rotteten sich vor ihrem Haus zusammen und brüllten, dass sie Frauen hasse. Die erste Bombendrohung ging ein. (Später würde es Morddrohungen gegen ihre Kinder, noch später gegen ihre Enkel und gegen ihren Hund geben.) Gleichzeitig musste Pizzey miterleben, wie immer mehr öffentliche Gelder aus der Opferhilfe in die Kassen einer Bewegung wanderten, die, so Pizzey, "aus dem Hass gegen eine Hälfte der Menschheit geboren war".


Man kann sich des Eindrucks wirklich nur schwer erwehren, dass mit den aktuellen Anfeindungen gegen Christine Bauer-Jelinek dasselbe Spiel gespielt wird, das Pizzey schon vor Jahrzehnten erlebte. Wer sich um Opfer kümmern möchte, muss pauschal Männer als Feind und Frauen als unterdrückt wahrnehmen, sonst gibt es Dresche. Erfreulich immerhin sind die Leserkommentare unter Beate Hausbichlers angriffslustigem Artikel:

Eine Psychologin - also eine studierte Expertin in diesem Fach - wirft einen kritischen Blick auf gewisse Aspekte des modernen Feminismus. Wurde es im Mittelalter "Blasphemie" genannt gegen oktroyierte Weltbilder aufzutreten, ist es im 21. Jahrhundert nun der mutmaßliche "Verrat", die mutmaßliche "Verachtung". Eine FRAU hat so etwas gefälligst nicht zu behaupten! Sie hat sich brav in den Chor des feministischen Mainstream unterzuordnen und keinen Fußbreit von der vorgegebenen ideologischen Linie abzuweichen.


Die Untersuchung eines strafrechtlich relevanten Vorgang hängt also nach Ansicht der Frau Hausbichler von absoluter Linientreue zur feministischen Gleichstellungslehre ab. Wer dagegen verstößt, kann nicht im Sinne von Opfern handeln - die dann allerdings erst Opfer sind, wenn dieses objektiv festgestellt wurde. So erzeugt die Autorin ein Paradoxon ersten Grades - Opfer werden erst dann ernstgenommen, wenn sie bereits Opfer sind und wie bei #metoo "listen and believe" gilt. Wer hinterfragt, dem wird grade deswegen jegliche Objektivität abgesprochen. Das eine solche Message rechtsstaatlich äußerst bedenklich ist und den journalistischen und demokratischen Grundprinzipien zuwider läuft ist bedenklich.


Ich verstehe die Argumentationslinie nicht. Man kann Quotenregelungen skeptisch sehen, aber natürlich gleichzeitig gegen sexuelle Belästigungen vorgehen, das sind doch völlig zwei unterschiedliche Sachen.


Wieder einmal typisch für das große F., jeden, der es wagt, eine abweichende Meinung zu vertreten, Verachtung und Polemik zu unterstellen und sich gar nicht erst auf eine sachbezogene Diskussion einzulassen. (...) Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.


Eigentlich finde ich es gerade deshalb gut, daß Frau Bauer-Jelinek diese Stelle bekommen hat.


Was qualifiziert einen Menschen eher für ein Amt?

a) fachliche Kompetenzen

b) ideologische Linientreue

Ein extremer Bias scheint mir eher hinderlich für gute Arbeit.


Ich halte Frauenquoten (va in Aufsichtsräten, wieso nur dort, wieso nicht auch bei der Müllabfuhr, warum nicht Männerquoten in Lehrerberufen etc) für Humbug und trete trotzdem vehementest gegen sexuelle Belästigung ein.


Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Man kann gegen Quotenregelungen und gegen die derzeitige Frauenpolitik sein und trotzdem Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung bekämpfen wollen. Ich sehe da keinen grundsätzlichen Widerspruch.


Nur Feministinnen sind also glaubwürdige Kämpferinnen gegen sexuelle Übergriffe und alle anderen Komplizinnen? Und alle Männer sowieso Komplizen? Gott, ist die Welt einfach!


Das Ding ist, Frauen als Geschlecht sind bevorzugt, die breite Masse. Sie sind allerdings noch nicht in gleichem Maße in die Machtpositionen vorgedrungen, und deswegen häufen sich dort Übergriffe von Männern gegen Frauen.

Übergriffe sind eine Machtfrage und keine Geschlechterfrage. Das wird jeder halbwegs objektive Psychologe so bestätigen.

Dass Frauen von den mächtigen Männern missbraucht werden, tut der Tatsache keinen Abbruch, dass Frauen das bevorzugte Geschlecht sind, das ein Riesennetzwerk an sozialer Hilfe beanspruchen kann, von dem Männer nur träumen können. Und nicht vergessen, auch Männer werden von den Mächtigen missbraucht.




2. In einer mehrere Unterthemen übergreifenden politischen Analyse gelangt Lucas Schoppe zu folgender Einschätzung:

Entweder ist der heutige Feminismus so sehr versackt, dass seine Gegner nur noch gelassen dabei zuschauen müssen, wie er sich in einer großen Wolke selbst produzierter Lächerlichkeit auflöst. Oder der heutige Feminismus ist so fest etabliert, dass es Feministinnen völlig egal sein kann, wie lächerlich sie sich machen, weil sich ohnehin niemand traut zu lachen.




3. Nach Vorwürfen der Diskriminierung wurde eine Polizistin im US-Bundesstaat Indiana vom Dienst freigestellt. Sie hatte in einer Debatte einem Kollegen "white male privilege" vorgeworfen. Ein Kampfbegriff, mit dem man auf Twitter und in Hochschulen automatisch punktet, geht im Polizeidienst offenbar noch lange nicht.



4. Melanie Martinez, Kandidatin bei der Casting-Show "The Voice", wird vorgeworfen, eine Freundin vergewaltigt zu haben. Die Website Bustle kommentiert:

Belästigung und Übergriffigkeit kennen kein Alter, kein Geschlecht, keine Rasse, keine Sprache, keine Religion und keine sexuelle Orientierung. Sie haben das Potenzial, überall dort aufzutauchen, wo es eine unausgewogene Machtdynamik gibt, die - tragischerweise - diese missbräuchlichen Beziehungen fast universell macht. Sie können an einem Arbeitsplatz, in einem Klassenzimmer, auf einer Party, in einer Mentorschaft, in einer Casting-Sitzung, zwischen zwei Frauen, zwischen zwei Männern, in einer Ehe und ja, sogar in einer Freundschaft entstehen. Und wenn dies wirklich ein Wendepunkt für unsere Gesellschaft sein soll, dann müssen wir alle unsere vorgefassten Vorstellungen darüber, wer ein Opfer sein kann und wer ein Täter sein kann, zurückweisen und alle Anschuldigungen gleich behandeln.




5. Anschuldigungen auf keinen Fall gleich behandeln möchten manche in Großbritannien. Dort wird gerade diskutiert, ob Menschen zu längeren Haftstrafen verurteilt werden sollten, wenn ihren Handlungen "Sexismus" (gemeint ist allein der Sexismus gegen Frauen) zugrunde liegt. Der britische Telegraph berichtet.

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