Sonntag, März 26, 2017

In die Fresse! – News vom 26. März 2017

1. Auf den Seiten des Magazins Ficko schildert eine Feministin, wie befreiend es ist, Menschen, von denen sie berührt wird, mit der Faust ins Gesicht zu schlagen:

Wenn da mein Plan nicht aufgeht und der Grapscher* statt abzuhauen eine Rauferei anzettelt, dann sind da immer Leute, die sich dazwischenwerfen. Die schützende Kraft des Menschenhaufens sollte nicht unterschätzt werden.

(...) Eigentlich ist die Antwort auf die Frage, was denn die Alternative zum Zuschlagen sei, dass das überhaupt nicht mein Problem ist. Das ist ein Männlichkeitsproblem und Gewalt, die fast nur von Männern* ausgeht.


Die Zustimmung unter den Lesern* des "empowernden" Artikels ist groß. Ein schönes Beispiel:

Gewaltlosigkeit ist keine Voraussetzung für Feminismus. Es gab schon immer auch gewaltvolle Formen, gegen Objekte oder Menschen, wie z.B. die Rote Zora. Kann man gut finden oder nicht, aber mit Legitimation hat das nichts zu tun. Peace!


Die Rote Zora ist eine feministische Terrorgruppe, die eine Reihe von Brand- und Sprengstoffanschlägen verübt hat. Kann man gut finden oder nicht. Peace!

Vereinzelt gibt es allerdings auch abweichende Meinungen von Leuten, die von vorneherein als "hater" abqualifiziert wurden:

Wenn man die Argumentation bis zum bitteren Ende weiterdenkt, müssen Frauen demnächst gleich nach dem Zuschlagen auch irgendwo in die Ecke koten, um ihr Revier zu markieren. Das ist das Niveau, auf dem hier argumentiert wird, nur eben logisch weitergedacht. Empowerment durch Degeneration: Würde ich noch mal drüber nachdenken.


Und wie so häufig gilt auch hier: Wenn sich Männerrechtler so äußern würden wie Feministinnen, wäre der Teufel los.

Das Magazin "Ficko", wo der Artikel erschienen ist, sagt über sich selbst:

Wir bekennen uns in Ablehnung von jeglichem Zynismus explizit zum Ideal der Gutmenschlichkeit. Ein Gutmensch nach unserer Definition ist ein Mensch, der sich größtmögliche Mühe gibt, kein Arschloch zu sein. Ein Mensch, der eine Vorstellung einer freien Welt für alle hat und sich dafür einsetzt. Und sich positiv definiert. Andere Definitionen sind falsch. Nicht die Ablehnung diverser menschenfeindlicher Einstellungen führt zu einer freundlichen Offenheit dem Leben, der Welt, den Menschen gegenüber, sondern andersherum: Die Gutmenschlichkeit führt automatisch dazu, dass schlechte, menschenfeindliche Ideen abgelehnt und aktiv bekämpft werden.




2. Warum kommt es bei Vergewaltigungsprozessen derart häufig zu Freisprüchen? Der Grund liegt vermutlich darin, dass inzwischen Fälle vor Gericht landen, die man früher von Anfang an nicht ernst genommen hätte. Das erläutert ausführlicher die Süddeutsche Zeitung.



3. Der NDR verfilmt unter dem Arbeitstitel "Die Lüge ihres Lebens" den Fall des Lehers Horst Arnold, der unschuldig als Vergewaltiger verurteilt wurde. Der Film soll im Spätherbst ausgestrahlt werden.



4. Jahrzehnte alte Justizskandale zu Lasten von Männern sind nur unzureichend aufgearbeitet, befindet Heinrich Schmitz. So sei die aktuelle Rehabilitierung der Schwulen ein zu kleiner Schritt in die richtige Richtung:

Man muss sich einmal vor Augen führen, was es bedeutet, als Unschuldiger wegen einer Straftat verurteilt zu werden. Kafka lässt grüßen. Nichts getan und eingelocht. Nicht selten wenden sich auch noch Freunde und Familie nach und nach ab. Als Schwuler verurteilt zu werden, war für das gesellschaftliche Ansehen so ziemlich das schlimmste was einem Mann passieren konnte. Beruf, Karriere, Wohnung, Ansehen, alles dahin. Und da kommt man den nur wegen ihrer Liebe verfolgten jetzt mit dem geilen Entschädigungsangebot von 4,11€ statt der üblichen 25.–€ pro Tag? Die Freiheit des Schwulen ist nur einen Bruchteil der üblichen Haftentschädigung wert? Geht’s noch?

(...) Die meisten Opfer der Homosexuellenverfolgung, werden diese Rehabilitierung selbst gar nicht mehr erleben können, weil sie mittlerweile tot sind. Der Staat hat sich da reichlich Zeit gelassen. Jetzt sind es nur noch wenige Opfer, die diesen Wahnsinn überlebt haben. Den Antrag auf Rehabilitierung können zwar auch Erben, Verwandte und andere Personen, wenn sie ein berechtigtes Interesse an der Feststellung einer Urteilsaufhebung haben, stellen, aber das bekommen die Toten dann auch nicht mehr mit. Wie viele Schwule mögen sich aufgrund des staatlichen Verfolgung das Leben genommen haben, wie viele im sozialen Abseits gelandet sein, wie viele dem Alkohol oder Drogen verfallen. Und immer noch ist die "schwule Sau" Schimpfwort auf Schulhöfen und Sportplätzen, immer noch kämpfen irgendwelche Idioten gegen eine „Verschwulung“ der Gesellschaft. Straftaten gegen Homosexuelle haben nicht etwa ab-, sondern zugenommen. Und die Dunkelziffer ist vermutlich höher als bei anderen Gewalttaten, weil viele Homosexuelle erst gar keine Anzeige erstatten. Die wollen immer noch nicht auffallen.




5. In dem Artikel "Von der Mutter entführt" beleuchtet die Märkische Onlinezeitung anhand eines konkreten Falles, "dass offizielle Stellen immer wieder fragwürdig agieren".



6. Der SPD-Politiker Marco Bülow hat die großen Polit-Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen untersucht und dabei ein krasses Missverhältnis in der Themenwahl festgestellt:

In jeder zweiten Sendung waren es die Themenkomplexe "Flüchtlinge, Islam, Terror/IS, Populismus/Extremismus", die im Mittelpunkt der Sendung gestanden haben. "In nur sechs von 204 Sendungen", so Bülow, "wurde über Armut und Ungleichheit diskutiert. Wichtigen Themen wie NSU, Rassismus und rechte Gewalt wurde zum Beispiel jeweils nur eine Sendung gewidmet. Klimawandel kam sogar gar nicht vor." (...) "Die Themenauswahl", so Bülow, "spiegelt absolut nicht die tatsächlichen Probleme in unserer Gesellschaft wider und stellt damit ein Zerrbild der Wirklichkeit dar."


Zu den Fragen, die Bülow hierzu stellt, gehören folgende:

Bekommt, wer besonders laut schreit, am Ende am meisten Aufmerksamkeit?


Warum fallen Themen weg, die keine starke Lobby haben, die aber so viele Menschen betreffen und die ganz sicher ebenso kontrovers sind?


Dass dazu praktisch sämtliche männerpolitischen Themen gehören, ist kein Geheimnis. Dass Männer die Hälfte der Bevölkerung stellen, ist den Talkmastern egal. Relevant ist, dass wir über keine laut schreiende Lobby verfügen.



7. Eine australische Feministin greift eine Forderung Simone de Beauvoirs auf: Es sollte für Frauen illegal sein, Hausfrau und Mutter zu sein.



8. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Dein Kommentar im Blog: "Man ist ja schon froh, wenn Obdachlose keine Magazine mit dem Schwerpunktthema 'Zu wenige Frauen im höheren Management' verkaufen müssen."

Volltreffer!

Und was glaubst Du, was meine Frau zur SPD-Resolution "Wir sind die Demokratie" gesagt hat, wo es doch hieß:

"... ein äußerst konservatives Familienbild: Die Familie besteht aus Vater, Mutter und idealerweise drei Kindern."

Ihr Kommentar: "Bin ich also äußerst konservativ."

Wir haben nämlich drei Kinder. Und etwas, was den Feminismus wirklich *nicht* bewegt, sind Frauen, die gerne Kinder haben wollen.

Lenin und Stalin waren aber auch nie sozial Benachteiligte. Ob es einen Zusammenhang damit gibt, dass sie den Sozialismus mit Rums gegen die Wand gefahren haben?

Und noch was - Arne, hast Du mal den großartigen Roman von Robert Merle "Geschützte Männer" gelesen? In der DDR war das Buch hochbekannt, und es wäre eine echte Bildungslücke, wenn ausgerechnet Du es nicht kennst.

Kurz: Eine Seuche rafft alle Männer im zeugungsfähigen Alter dahin. Ausgerechnet bestimmte patriarchalische Elemente führen dazu, dass radikale Feministinnen die Macht ergreifen und ein faschistoides System errichten. Erst ein Putsch liberaler Feministinnen ändert das, aber ich will nicht zu viel verraten. Das Buch ist jedenfalls eine ausgezeichnete vielseitige Analyse und ein großartiges Bekenntnis zur Demokratie, noch dazu packend zu lesen. Gebraucht bei Amazon ab 5 Euro irgendwas.

Samstag, März 25, 2017

Das Schweigen des Bundesforums Männer – News vom 25. März 2017

1. In einem aktuellen Beitrag beschäftigt sich die männerpolitische Initiative MANNdat mit dem bemerkenswerten Schweigen des Bundesforums Männer zum staatlichen Abschuss der Notunterkünfte für männliche Gewaltopfer in Thüringen:

Thüringens "Beauftragte für Frau und Mann" Katrin Christ-Eisenwinder (Die Linke) lehnte eine Finanzierung ab. (...) 2015 gab Thüringens Landesregierung 1,7 Millionen Euro für Gleichstellung aus. Das Geld floss vorwiegend in Frauenhäuser, Frauenzentren, Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt gegen Frauen und in den Landesfrauenrat. Schon damals war die "Beauftragte für Gleichstellung für Frau und Mann" faktisch eine "Beauftragte für Gleichstellung für Frau und sonst nichts".

(...) Und wie äußert sich das Bundesform Männer, jene vom Bundesfrauenministerium jährlich in sechsstelliger Höhe finanzierte Einrichtung, die sich selbst als Interessenvertretung für Männer sieht? Nun, sie schweigt. Wir konnten jedenfalls bislang keine Stellungnahme, geschweige denn einen Protest, dieser "Männerinteressenvertretung" von frauenpolitischen Gnaden finden, weder auf der Homepage des Bundesforums selbst noch auf der Seite von Gleichmaß e. V. Welche Interessenvertretung für Frauen hätte wohl geschwiegen, wenn ein Gewaltschutzhaus für Frauen von der Gleichstellungsbeauftragten "für Frau und Mann" nicht mehr unterstützt würde? Kann es sein, dass das Bundesforum Männer nicht deren Interessen vertritt, die es vorgibt, vertreten zu wollen? Oder ist der Vorsitzende Martin Rosowski wieder mit einer Diffamierungsaktion gegen Kritiker der Vernachlässigung der berechtigten Anliegen von Jungen, Vätern und Männern beschäftigt?


Nachdem der nächste ganzheitliche Genderkongress im Mai stattfinden soll, ist es tatsächlich gut vorstellbar, dass das Bundesforum derzeit zuviel damit zu tun hat, solche Graswurzelpolitik für Männer zu torpedieren, als dass es sich darum kümmern könnte, die Anliegen von Männern zu vertreten. Allerdings ist das aktuelle Schweigen ja kein punktueller Einzelfall, sondern steht in einer langen Tradition: Öffentliches Schweigen des Bundesforums herrscht sowohl über die unterschiedlichsten Problemlagen, die Männer betreffen, als auch über einzelne Skandale. Nach der Entlassung der Goslarer Gleichstellungsbeauftragten Monika Ebeling etwa, weil diese sich auch für Jungen und Männer zu engagieren begann, war es im Bundesforum Männer ebenso mucksmäuschenstill wie jetzt. Dass das Bundesforum im Schwarzbuch des Bunds deutscher Steuerzahler landete, weil immense Summen öffentlicher Gelder nicht zu dem Engagement führen, das etliche Männer von ihren angeblichen Vertretern erwarten, war insofern keine Überraschung.



2. Eine Autorin des Blogs "Salonkolumnisten", die liberale Feministin Judith Sevinc Basad, gelangt zu derselben Erkenntnis, die ich seit bald zwanzig Jahren vertrete: Der zeitgenössische Feminismus ist keine progressive, sondern eine reaktionäre Bewegung.



3. Eine Erhebung des Women's Media Center, welche Nachrichtenplattform am meisten Geschlechtergerechtigkeit verzeichnet, führt zu einem überraschenden Ergebnis: Es ist ausgerechnet der bei vielen Linken verhasste konservative Sender Fox News.



4. Über die zentrale feministische Debatte der Woche berichtet die New York Times: Im Trailer für den neuen Wonder-Woman-Film ist für "eine Millisekunde" zu sehen, dass Wonder Woman kein Achselhaar hat.



5. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,

was ein von ihnen kürzlich zitierten Kommentar schilderte, ist mir heute in Berlin aufgefallen: Ein Straßenmagazin zur Unterstützung von Obdachlosen beschäftigt sich mit feministischen Anliegen. So war heute auf der Titelseite des Straßenmagazins "Motz" das Thema "Gewalt gegen Frauen" zu sehen.

Man erinnere sich: In Berlin wurde erst vor wenigen Monaten ein männlicher Obdachloser von mehreren Angreifern angezündet. Und ausgerechnet Männer die einem solchen Risiko ausgesetzt sind, verkaufen jetzt ein Magazin, dass sich mit Gewalt gegen Frauen beschäftigt.

Mich würde an der Stelle jedenfalls auch mal interessieren, ob das inzwischen ein bundesweites Phänomen wird, dass sich Obdachlosenmagazine mit Frauenpolitik beschäftigen.


Man ist ja schon froh, wenn Obdachose keine Magazine mit dem Schwerpunktthema "Zu wenige Frauen im höheren Management" verkaufen müssen.

Freitag, März 24, 2017

Anna, 27: "Mein Feminismus hat mich beziehungsunfähig gemacht" – News vom 24. März 2017

1. Die Lebensbeichte des Tages stammt von der Grafikerin Anna, von der wir in einem Artikel über sie erfahren, dass sie an ihren früheren Arbeitsplätzen als "zartbesaitete Zicke" bekannt wurde. Von ihrer feministischen Mutter bekam sie darüber hinaus ein bemerkenswertes Bild von Partnerschaft vermittelt:

Als sie das erste Mal Britney Spears hörte, war sie begeistert. Den Song "Born to Make you Happy" mochte sie besonders. Sie hörte ihn in ihrem Kinderzimmer, sang laut mit und tanzte vor dem Spiegel, als ihre Mutter hineinstürmte. Sie machte den CD-Player aus, nahm Anna beiseite und erklärte ihr, was Britney da sang: "Das ist ein Liebeslied, das sie für einen Mann singt. Und sie sagt, sie sei geboren, um ihn glücklich zu machen". Aus Sicht ihrer Mutter eine absolut widersinnige Einstellung. Anna war zwölf Jahre alt, als sie die Lieder von Britney und Co. das erste und das letzte Mal hörte.


Glücklicherweise bewegt sich Anna auf dem richtigen Weg. Heute sagt sie:

"Ich bin so groß geworden, dass Frauen auch ohne Männer prima leben können. Und dass man sich von Männern in keine Schublade stecken lassen sollte. Aber für manche Bedürfnisse brauche ich einen Mann, aber eben einfach deshalb, weil er einen Penis hat. Diese Erkenntnis macht mich doch nicht weniger stolz, oder?" An dem Punkt, so seufzt Anna, sei sie aber noch lange nicht.


Der eine oder andere mag nun denken, dass, wenn man einem Menschen allein aufgrund seines Geschlechtsorgans einen Wert zumisst, das noch nicht die ideale Einstellung sein kann und dass in dem hier geschilderten Fall vielleicht sogar eine therapeutische Intervention hilfreich sein könnte. Dann muss man sich natürlich schnellstens daran erinnern, dass in unserer Gesellschaft die feministische Weltsicht den Normalzustand darstellt und jede Kritik daran ("Antifeminismus") die Störung, die unbedingt unterbunden und in Quarantäne gesteckt werden muss. Damit wir möglichst bald eine Gesellschaft bekommen, die aus lauter Menschen wie Anna – und ihren männlichen Gegenstücken – besteht.



2. Das Blog "Scheidende Geister" beschäftigt sich in einem Beitrag mit den Untiefen der "feministischen Ökonomie" und in einem anderen mit dem Problem, dass man eine einmal eingerichtete Vollzeitstelle für eine Gleichstellungsbeauftragte, nie wieder wegkürzen kann.



3. Das Blog Geschlechterallerlei kommentiert die MANNdat-Aktion "Eine Brille für Schwesig":

Der Witz ist: Natürlich braucht Manuela Schwesig keine Brille – was da geschieht, ist alles volle Absicht einer Überzeugungstäterin. Und natürlich wird Schwesig all die Ausführungen nicht lesen – ebensowenig wie sonst jemand vom BMFSFJ. Aber es wird genügend Leute auf der Galerie geben, die all das wahrnehmen werden, inklusive dem Ignorieren durch Ministerin und Ministerium. Insofern hat MANNdat auch eine gute Antwort gefunden auf all die desillusionierten Kritiker, die bemängeln, Aktive würden zu naiv an die Sache gehen.




4. #Aufschrei der Woche: Männer, die ihre Partnerin zum Orgasmus bringen möchten, sind sexistisch.



5. Die Post. Heute hat mich der Väteraufbruch wegen der Weiterleitung der folgenden Medienanfrage angeschrieben:

Für eine Video-Kampagne der Europäischen-Rundfunkunion suche ich nach Menschen, die durch eine öffentlich-rechtliche Sendung inspiriert wurden. Ich schreibe Ihnen zu fragen, ob sie durch eine solche Sendung inspiriert wurden, mehr Zeit mit Ihrem Kind zu verbringen.

Wofür ist das Projekt?

Diese Video-Kampagne ist eine Initiative der Europäischen Rundfunkunion. Das Ziel ist dem Publikum die positive Einflüsse der nicht-kommerziellen (also öffentlich-rechtlichen) Medien näher zu bringen. Zum Beispiel, dass man durch eine Sendung über die Klimawandlung inspiriert wurde, sich für den Klimaschutz einzusetzen - einen Bienen-Garten anzupflanzen, Fahrrad statt Auto zu fahren, oder dass man einen Bericht über Flüchtlinge sieht und sich daraufhin aktiv für sie durch freiwillige Arbeit engagiert.

Wo wird das ausgestrahlt?

Auf verschiedenen europäischen öffentlich-rechtlichen Kanälen.

Wen suchen wir?

Wir suchen nach Menschen, die durch eine Sendung sich inspirieren oder motivieren ließen, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Kennen Sie jemanden, der durch eine Sendung auf einer Art inspiriert wurde?

Was drehen wir wann und wie?

Wenn eine Geschichte ausgewählt wird, fliegen wir diese Person nach London um dort ihre Geschichte im Studio aufzunehmen. Unterkunftskosten werden von uns übernommen und man bekommt eine Aufwandsentschädigung von €200.


Rückmeldungen werden möglichst rasch erbeten an pressefaelle@vafk.de.



6. Off-topic: Dunja Hayali, eine Journalistin, die wegen ihres Engagements gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus die widerlichsten Anfeindungen ertragen muss, hat der "Jungen Freiheit" ein Interview gegeben. Jene Kritiker der JF, die bestimmen möchten, mit wem andere Menschen reden dürfen und mit wem nicht, überziehen sie deshalb mit einem Shitstorm. (Die Männerbewegung hatte mit solchen Möchtegern-Diktatoren bekanntlich auch schon ihre Freude.)

Allerdings sind die Kommentare der Junge-Freiheit-Leser zu diesem Interview ebenfalls im gewohnten Tonfall gehalten: "Es gibt keine Gesprächsbrücke mit Denjenigen, die den derzeitigen Staatszerfall und die ubiquitären kriminellen Taten verteidigen." – "Das einzige was passiert ist, dass auch die trägen und nicht besonders hellen Mietmäuler des Staatsfunks kapieren, dass das derzeitige Regime eine Verfallsdatum hat." – "Die Frau ist die Falschheit in Person." – "WAS hat da die JF geritten, diese auf die Titelseite zu bringen und das Sie sogar ihre Suaden in der Zeitung verbreiten darf!"

Vertreter des rechten und Vertreter des linken Lagers stehen einander also mal wieder in wenig nach.

Liane Bednarz, ausgewiesene Kritikerin der rechten Szene, unterstützt Hayalis Entscheidung:

Ich habe Hayali gegen Anfeindungen, die das Interview ausgelöst hat, auf Twitter verteidigt. Das hat einen Grund, es ist, wenn man so will, die Kulmination einer langen Beobachtung der "Jungen Freiheit". Der man auch und gerade als Kritiker attestieren muss, sich gemäßigt zu haben und rote Linien zu ziehen, die seit dem November 2015 klar und deutlich zu sehen sind. (...) Nicht zu honorieren, dass die "Junge Freiheit" sich als Teil des neurechten Milieus gegen radikales völkisches Reden wendet, wäre unfair, sogar undemokratisch. Wer pauschaliert, handelt politisch unklug. Vor allem, und das vergessen offenbar viele, ist die Zeitung das einzige prominente rechte Blatt, dass sich konsequent vom Milieu rund um Götz Kubitschek abgrenzt. Und damit Menschen erreicht, die für etablierte Medien längst nicht mehr zu erreichen sind.

Donnerstag, März 23, 2017

"Weibliche Haue für männliche Feministen" – News vom 23. März 2017

1. "Jetzt gibts weibliche Haue für männliche Feministen" titelt die auflagenstärkste Schweizer Gratiszeitung "20 Minuten". Dem Artikel zufolge wird Männern, die für Frauenrechte eintreten, von feministischer Seite "Einmischen in fremde Angelegenheiten, Bevormundung oder schleichende Unterdrückung" vorgeworfen.

So musste sich ein Demonstrant laut "Aargauer Zeitung" von einer Demonstrantin anhören lassen: "Männer können nicht für uns Frauen sprechen. Das wäre patriarchalisch, gönnerhaft, von oben herab." Andere Frauen posten in den sozialen Medien GIFS, in dem Frauen Feministen "die Fresse polieren".

(...) Auch Fabian Molina, Feminist und ehemaliger Präsident der Juso Schweiz, versteht die Kritik. "Es gibt viel Ungleichheit, die ich als Mann nicht erfahren habe." Männer könnten nicht nachempfinden, wie es sei, im Dunkeln mit einem unguten Gefühl nach Hause zu laufen oder wegen einer Schwangerschaft den Job zu verlieren. "Darum ist es wichtig, dass sie sich für Gleichstellung einsetzen, aber sich nicht anmassen, für die Frauen zu sprechen."


Warum die Menschengruppe, die weit häufiger das Opfer von Gewaltkriminalität wird, es angeblich nicht nachempfinden könne, "im Dunkeln mit einem unguten Gefühl nach Hause zu laufen", verrät Molina natürlich nicht.

Jedenfalls bleibt es eine Illusion, dass man sich in feministischen Augen von dem Makel, zum minderwertigen Unterdrückgergeschlecht zu gehören, dadurch reinwaschen kann, dass man die Ideologie unterstützt, die die These vom minderwertigen Unterdrückgergeschlecht verbreitet. Umso verwunderlicher ist es, dass sich Männer hier überhaupt noch am Gängelband durch die Manege ziehen lassen.



2. Schwule Justizopfer werden von der Bundesregierung Jahrzehnte später rehabilitiert, und ein schwuler Flüchtling kann sich nach einem jahrelangen Gerichtsstreit vor der Abschiebung nach Marokko retten.



3. Rechtsanwalt Markus Kompa kommentiert Simone Schmollacks krude Attacken auf Bundesrichter Thomas Fischer und dessen Reaktion.

Mittwoch, März 22, 2017

Thomas Fischer filetiert Simone Schmollack – News vom 22. März 2017

1. Das eigenwillige Verständnis der taz-Mitarbeiterin Simone Schmollack von Journalismus ist manchem Genderama-Leser wohl noch in guter Erinnerung. Die neueste Peinlichkeit: Schmollack versucht, für ein gescheitertes Interview mit Bundesrichter Thomas Fischer ihren Interviewpartner verantwortlich zu machen und wird daraufhin von ihm zerlegt.



2.
Männer sind nicht nur als Mitarbeiter auf Gleichstellungsbüros immer häufiger. Auch als Ratsuchende werden sie zahlreicher. Auch wenn noch immer mehr Frauen bei der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich Rat suchen: Ein Drittel der Anfragen kommt in Zürich bereits von Männern – gerade in Vereinbarkeitsfragen.


Die Schweizer Gleichstellungsbeauftragte Anja Derungs verwahrt sich dennoch gegen die Wahrnehmung, dass Männer die Verlierer der Gleichberechtigung sind – "auch wenn das viele anders sehen".



3. Der eigentlich feministisch ausgerichtete britische "Guardian" berichtet darüber, dass unter männlichen Bauarbeitern die Selbstmordrate am höchsten ist.

Suicide is the leading cause of death for men under 50 and about four in five (10,688) deaths included in the analysis were among men. The ONS found low-skilled male construction workers had the greatest risk, at 3.7 times above the national average. Building finishing trades, including plasterers, painters and decorators, had a risk twice the national average and the risk for low-skilled workers in process plant operations was 2.6 times higher. The agricultural sector also carried an elevated risk for men, more than 1.5 times above the average for both low-skilled and high-skilled workers.


Zu der Info, dass sich mehrere Male so viele Männer wie Frauen das Leben nehmen, passt ein anderer aktueller Artikel des "Guardian":

The report, Dying from Inequality, says there is "overwhelming evidence of a strong link between socioeconomic disadvantage and suicidal behaviour".

It says governments should place a stronger emphasis on suicide prevention as an inequality issue. It calls for national suicide prevention strategies to be targeted at the most vulnerable people and places, in order to reduce geographical inequalities in suicide.

Samaritans also calls on workplaces to put in place suicide preventions plans and provide better psychological support for employees experiencing job insecurity or affected by downsizing.

"Men in the lowest social class, living in the most deprived areas, are up to 10 times more at risk of suicide then those in the highest social class living in the most affluent areas," the report says.

Recent research indicates middle-aged men are at higher suicide risk due to economic recession. Unemployed people are two to three times more likely to die by suicide than those with a job.

The least skilled occupations have higher rates of suicide, and a low level of educational attainment and no home ownership has been found to increase an individuals risk of suicide, the report says.

Suicide rates are two to three times higher in the most deprived neighbourhoods compared to the most affluent, and admissions to hospital after self-harm are two times higher.


Es ist bemerkenswert, wie sehr hier das Thema vermieden wird, dass auch die bei weitem höhere Selbstmordrate von Männern gegenüber Frauen ein Kennzeichen für gesellschaftliche Ungleichheit zu Lasten von Männern ist. Region, Beruf, soziale Schicht – die verschiedensten Kategorien werden als Faktoren benannt. Allein die Geschlechtszugehörigkeit bleibt ausgeblendet.



4. Mal wieder ein Fundstück aus dem Web: Feministinnen reagieren mitunter wirklich bizarr auf den Wahlsieg von Donald Trump.



5. Dieser Comic persifliert eine Situation, die etliche Feminismuskritiker schon erlebt haben und erfreut sich deshalb auf Facebook gerade großer Beliebtheit.



6. Die Post. Einer meiner Leser schreibt mir:

Hallo Herr Hoffmann,

dieser Artikel über indische Ingenieurinnen ist vielleicht interessant für Genderama. Er widerspricht gängigen Klischees und wirft abermals die Frage auf, warum Frauen im gleichberechtigten Westen relativ deutlich seltener Ingenieurwissenschaften studieren als in den frauenunterdrückenden Entwicklungsländern. Eine nette Karikatur bringt es ganz gut auf den Punkt.

Sonntag, März 19, 2017

Für Feministinnen war gestern der 7. Januar – News vom 19. März 2017

1. Die mediale Berichterstattung zum Equal Pay Day lief wie gewohnt: Die Zeit titelt so regierungstreu und unkritisch wie üblich "Bis heute haben Frauen umsonst gearbeitet" und hat ausnahmslos Frauen bis hin zu zwei Vertreterinnen der Linken gefragt, die dieser Weltsicht zustimmen. Gegenteilige Meinungen gibt es in den Augen der "Zeit" keine. Aufklärend hingegen ist Telepolis mit dem Beitrag "Ten Years Gender Pay Gap-Mistake - Ein Irrtum wird zehn Jahre alt". Eine der wenigen Ausnahmen aus dem Gleichklang der Propaganda stellt auch die Rundschau Duisburg dar:

Anlässlich des Equal Pay Days (18.03.2017), dem internationalen Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen, macht Wolfgang Schmitz, Hauptgeschäftsführer des Unternehmerverbandes, deutlich: "Der so genannte ‚Gender Pay Gap‘, also die im Durchschnitt schlechtere Bezahlung von Frauen, existiert hauptsächlich aufgrund ungenutzter Chancen." (...) Schmitz: "Nach Einbezug einer ununterbrochenen Beschäftigungsdauer bleibt eine Lücke von ca. zwei bis drei Prozent." Deshalb lautet Schmitz‘ klare Schlussfolgerung: "Der Gender Pay Gap lässt sich nicht durch Gesetze und Regeln lösen." Dies ist auch eine klare Absage an die Politik und ihre Pläne eines Lohngleichheitsgesetzes, das Schmitz als "Effekthascherei im Wahljahr" einordnet. (...) "Die Branchentarifverträge legen eindeutig fest, dass aus gleicher Arbeit auch gleiches Geld erfolgt. Aber leider entscheiden sich die meisten jungen Frauen trotz anspruchsvoller Ausbildung, bester Perspektiven, hoher Flexibilität sowie guter Möglichkeiten zur Vereinbarung von Familie und Beruf nicht für einen technischen Beruf", bedauert Schmitz und erklärt weiter: "Frauen müssen die Chancen auf mehr Gehalt auch ergreifen und ergreifen können – hier sehe ich Defizite."


Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall stellt klar: "Ehrlicher Equal Pay Day war am 7. Januar". In dieser Pressemitteilung heißt es:

In der Debatte um Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen fordert der Arbeitgeberverband Gesamtmetall die Initiatoren des morgigen "Equal Pay Days" zu mehr Redlichkeit in der Debatte auf. "Entscheidende Gründe für die statistische Differenz sind die Berufswahl und die Erwerbsunterbrechungen", betonte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. So habe etwa das statistische Landesamt Sachsen-Anhalt in dieser Woche erklärt, dass die unbereinigte Lücke in Sachsen-Anhalt gerade einmal 2 Prozent betrage – ganz ohne Entgelttransparenzgesetz oder sonstige Eingriffe des Gesetzgebers.

(...) Zander verwies darauf, dass auch das Statistische Bundesamt betont habe, dass die bereinigte Lücke, die Qualifikation und Tätigkeit berücksichtigt, bundesweit bei 6 Prozent liege. Würden familienbedingte Erwerbsunterbrechungen mit einberechnet, schwinde die Lücke fast vollständig. Bei vergleichbarem beruflichem Hintergrund ergebe sich laut weiterer Berechnungen bei Frauen, die höchstens anderthalb Jahre für die Kinderbetreuung aussetzen, lediglich eine Differenz von rund 2 Prozent. "Der ehrliche 'Equal Pay Day' war bereits am 7. Januar. Wer wider besseres Wissen mit den 21 Prozent und mit dem 18. März als 'Equal Pay Day' argumentiert, verbreitet Fake News, statt auch nur einer einzigen Frau außerhalb der Gleichstellungsindustrie zu helfen".


Die Leitmedien übergehen Wortmeldungen wie diese fast durchgehend. Sobald die Bevölkerung beide Seiten zu hören und zu lesen bekäme, würde die feministische Ideologie und alle Parteien und Medienorgane, die darauf beruhen, massiv an Zustimmung verlieren. Also noch mehr als ohnehin schon. Ebenfalls auf Telepolis findet man nämlich auch diesen Artikel: "Vertrauen in Medien, Parteien und Regierungen ist weiter gesunken". Ein Auszug:

Die Zahlen belegen auch: Wenn weniger als die Hälfte - und teilweise sogar viel weniger als die Hälfte - einer Bevölkerung kein Vertrauen mehr in Medien, Parteien und Regierungen eines Landes haben, dann müssen schwerwiegende Gründe vorliegen, die zu diesem Vertrauensverlust geführt haben. Offensichtlich gibt es einen tiefen Graben zwischen weiten Teilen der Bevölkerung und "ihren" Institutionen. Deutlich wird, dass ein mangelndes Vertrauen nicht nur in kleinen, mehr oder weniger von der Mitte der Gesellschaft entkoppelten Gruppen vorherrscht, die aufgrund ihrer eigenen abweichenden politischen Meinung und Gesellschaftsbild mit Argwohn auf die Institutionen blicken.

Diese Werte, die in dem Global Trust Report zum Vorschein kommen, legen nahe, dass große Zweifel an den angeführten Institutionen vielmehr aus der gesellschaftlichen Mitte kommen müssen. Interessant am Rande: Auch auf der Webseite des Bayerischen Rundfunk (BR) findet die Studie Erwähnung. Dort wird angeführt, dass das Vertrauen der Deutschen in Institutionen wie die Polizei (85 Prozent), die Justiz (67 Prozent) oder die Bundeswehr (64 Prozent) besonders hoch ist. Das geringe Vertrauen in die Medien wird aber nicht angesprochen - nur in einer Tabelle werden die für die Medien gemessenen Werte angeführt, die sich die Leser dann selbst anschauen können. Dabei hatte der BR 2016 eine eigene repräsentative Studie zum "Vertrauen in die Medien" durchgeführt und über sie breit berichtet. Hervorgehoben wurde, wie groß das Vertrauen der Deutschen doch in die Öffentlich-Rechtlichen sei.




2.
Der Ex-Geliebten von Jörg Kachelmann Claudia D. droht eine Anklage wegen Freiheitsberaubung. Ihr Anwalt will offenbar neuerdings nicht einmal ausschließen, dass sie sich die Tat nur eingeredet hat.


Spiegel Online berichtet von Claudia Dinkels letzten Manövern, um für ihr Tun nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden.



3. Anstelle der Post hier mal wieder ein Beitrag, den ich aus Christian Schmidts Kommentarspalte gefischt habe, weil ich diese Beobachtung besonders treffend finde:

War grade Lebensmittel einkaufen, da steht vor dem Supermarkt ein obdachloser Mann der die Dresdener Straßenzeitung "drobs" verkauft. Das Prinzip dieser Zeitungen sollte ja geläufig sein, der Straßenverkauf soll Obdachlosen eine Chance zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft bieten.

Ich werfe einen flüchtigen Blick auf das Cover: "Starke Frauen – Frauen 2017: sind wir schon gleichberechtigt?"

Ich kaufe eine und lege noch etwas drauf, ist ja klar, Männersolidarität.

Jetzt hab ich mal durchgeblättert, hier eine Auswahl der Themen:

"Die Medizin ist noch immer eine Männerwelt"

"Equal Pay Day: Wider die Lohnlücke". Die übliche Lügenarie.

"Unternehmen erkennen die Kompetenzen der Frauen"

"Von alten und neuen Meisterinnen – Kritik an der männlich dominierten Erzählung von Kunst"

"Guter Rat ist nicht teuer – Das Frauenzentrum 'Guter Rat' unterstützt Frauen in Notlagen"

Daraus: "... als Anlaufstelle für Frauen in Krisensituationen und wird mit städtischen Mitteln zur Gleichstellung von Mann und Frau gefördert."

Öffentliche Gelder? Na zum Glück ist dieser Rat nicht teuer. Ob es wohl im gleichgestellen Deutschland ein vergleichbares Angebot für Männer in Krisensituationen gibt? Vielleicht sogar eines, das jener obdachlose Zeitungsverkäufer hätte nutzen können, bevor es zu spät war?

Tja. Und die Moral von der Geschicht‘? Für mich grenzt es an übelkeiterregenden Hohn, dass die große Mehrheit der Obdachlosen männlich ist, dabei aber der pro Kopf erheblich kleinere Teil der Steuermittel für sie aufgewandt wird – und dann steht da diese arme Kreatur und hält eine Zeitschrift hoch, die verkündet, wie benachteiligt frau ist.

Wie kann eine Gesellschaft derart in moralische Schieflage geraten. Ich find’s widerlich.

Samstag, März 18, 2017

Sexualpolitisch aufgeladene okzidentale Überlegenheitsnarrative und paradoxe Rückkopplungsaspekte von Fremd- und Eigenwahrnehmung, fuck yeah! – News vom 18. März 2017

1. Unter der Überschrift "Kaum jemand wagt es, zu kritiseren" beschäftigt sich Birgit Schmid in der Neuen Zürcher Zeitung damit, wie mit der Gender-Lobby die politische Korrektheit an die Universitäten kam. Hierzu gehört ein weiterer Artikel Schmids, "Sie kämpfen am Stehpult", der deutlich ausführlicher ist. Ein Auszug:

Das Geschlecht sei politisch, sagte die Gender-Forschung weiter und erhob diesen Satz zum Programm. Und gerade deshalb wird ihr wissenschaftlicher Anspruch heute immer öfter infrage gestellt. Man wirft ihr vor, die Wissenschaft zur Kampfzone zu machen und die Vorlesung zur Predigt. Darf sich etwas Wissenschaft nennen, dessen Vertreterinnen eher eine Gesinnung eint, statt dass sie für ihre Theorie Beweise liefern?

(...) Trotzdem fragt man sich, zu was für Erkenntnissen die eng vernetzte Gender-Gemeinschaft bisher beigetragen hat – und was sie genau macht mit ihren Fördergeldern. Liest man sich durch die Forschungsprojekte, entsteht vor allem der Eindruck, dass man die sperrige Sprache beherrschen muss, um dazuzugehören. Da lautet ein Titel: "Musik und Gender: Othering und Selbstaffirmierung in der europäischen Musikgeschichte. Warum spielen mehr Männer E-Gitarre als Harfe?". Um "Sexuellen Exzeptionalismus" geht es in einem Gastvortrag am 20. März an der Uni Basel: Die Referentin von der Berliner Humboldt-Universität beschäftigt sich "mit sexualpolitisch aufgeladenen okzidentalen Überlegenheitsnarrativen und paradoxen Rückkopplungsaspekten von Fremd- und Eigenwahrnehmung der abendländischen Liebes- und Sexualordnung". (...) Die Absicht, die Welt gleicher zu machen, scheitert schon an der elitären Vermittlung. Man richtet sich nicht an andere, sondern nur an die Eingeschworenen. Eine Elite predigt die Gleichheit.




2. In dem Artikel Schwierigkeiten beim Abbruch von Schweigemauern beschäftigt sich der Gymnasiallehrer und Blogger Lucas Schoppe noch einmal mit Cassie Jayes Männerrechtler-Doku "The Red Pill". Erfreulicherweise ist Schoppe damit einverstanden, dass ich ihn hier sehr ausführlich zitiere:

Das eigentlich ist das Zentrum des Films: Ein empathischer Blick auf Männer und Jungen. In deiner Szene sieht sich Jaye gemeinsam mit einer anderen Frau einen Film über die Beschneidung eines Jungen an. Der Frau stehen die Tränen in den Augen, Jaye wirkt zunächst gefasst – und greift dann auch zum Taschentuch.

"Es gibt da draußen einen Ozean des Leidens" (There’s an ocean of pain out there) – der pathetische Satz Dean Esmays aus seinem Interview wirkt vor dem Hintergrund der vielen Informationen eben gar nicht mehr deplatziert oder lächerlich.

Vertreter und Vertretrerinnen feministsicher Positionen erscheinen dagegen plötzlich als gefühlskalt. Katherine Spillar vom Ms. Magazine etwa erklärt, Männer hätten lediglich damit Probleme, dass das Spielfeld mittlerweile ausgeglichen sei, nachdem es zuvor beständig zu ihren Gunsten abschüssig gewesen wäre.

Sie übernimmt das Bild vom "levelling of the playing field" aus dem Buch Angry White Men von Michael Kimmel. Der wiederum erklärt hier lachend, Männer hätten zwar manchmal einen "Scheiß-Deal" (crappy deal) abbekommen, sollten aber doch bitte nicht Feministinnen dafür verantwortlich machen.

Michael Messner, Soziologe und Gender-Professor, erklärt spitz, Männer würden sich ohnehin erst nach Trennungen für ihre Kinder interessieren, nachdem sie sich zuvor kaum um sie gekümmert hätten.

Besonder nachteilig präsentiert sich eine Feministin, die wegen ihrer leuchtend roten Haare nur "Big Red" genannt wird. Sie ist an der University of Toronto im Jahr 2013 an massiven Störmanövern beteiligt, die schließlich ausgerechnet eine Veranstaltung zum Geschlechterdialog verhindern. Nach einem falschen, absichtlich betätigten Feueralarm ist die Veranstaltung gesprengt, und Big Red begegnet draußen einigen Menschen, die an ihr teilnehmen wollten. Big Red liest einen feministischen Text vor und beschimpft andere rüde ("Shut the fuck up ... .I’m reading, fuckface"). Später, im Interview mit Jaye, beschimpft sie Männer, die über den Verlust ihrer Kinder klagen, als "dipshit" und besteht darauf, dass all ihre Probleme ohnehin vom Patriarchat verursacht würden.

Hier wird verständlich, warum Feministinnen den Film so massiv attackieren. Er bedroht das Selbstbild, für Geschlechtergerechtigkeit und Menschlichkeit einzutreten – und dies eben dadurch, dass nicht nur über Männer geredet wird, sondern Männer selbst ausführlich zu Wort kommen. Wer die Perspektive anderer nicht ganz ausblenden kann, der nimmt eben auch wahr, wie er selbst von ihnen wahrgenommen wird – und kann sich dann das Selbstbild nicht mehr beliebig nach eigenen Wünschen gestalten.

Gegen Ende berichtet ein Redner bei einer öffentlichen Veranstaltung über ein neu gegründetes feministisches Zentrum zur Männerforschung, bei dem nicht nur Michael Kimmel und Gloria Steinem, sondern auch Eve Ensler wichtige Positionen innehätten – die Autorin der Vagina Monologues. Dass das Publikum darüber lacht, wird spätestens erklärlich, wenn die Situation gedanklich umgekehrt wird. Was wäre wohl, wenn ein Mann durch Penis-Monologe bekannt geworden wäre – und wenn er sich eben dadurch als Experte für Frauenleben und für den wissenschaftlichen Beirat eines Frauenforschungsinstituts qualifiziert hätte?

Dass eben ist ein Nachteil der Weigerung, Perspektiven anderer auf sich selbst wahrzunehmen – Menschen verlieren dabei auch den Sinn dafür, wann sie sich lächerlich machen.

Dass Feministinnen im Film deutlich schlechter wegkommen als Männer und Frauen, die für Männerrechte auftreten, ist jedoch nicht einfach Resultat einer womöglich perfiden medialen Inszenierung. Feministinnen (und Feministen) halten hier die Position durch, soziale Notlagen und Ungerechtigkeiten konsequent auf das Konto eines „Patriarchats“ zu buchen. Männerrechtler hingegen setzen nicht etwa die Fiktion eines Matriarchats oder einer Frauenherrschaft dagegen, sondern vertreten durchgehend vermittelnde Positionen. Elam etwa unterstreicht, dass es auf beiden Seiten sowohl Opfer als auch Täter gäbe (victims and perpetrators on both sides of the fence). Esmay betont, dass Feminismus keineswegs Wurzel allen Übels, sondern bloß Teil des Problems sei – er dämonisiere Männer und degradiere Frauen (demonizes men, diminishes women).

Die abstrakt bleibende Fiktion eines Patriarchats wird unglaubwürdiger mit jedem Beispiel für spezifisches Leid von Männern oder Jungen oder für deutliche Ungerechtigkeiten zu ihren Lasten. Die vermittelnde Position ist dagegen wesentlich realitätstauglicher, weil sie nicht darauf angewiesen ist, Teile der Wirklichkeit auszublenden. Die Fiktion eines Patriarchats wiederum lässt sich nur halten, wenn Erfahrungen und Perspektiven von Menschen verdrängt bleiben, die nicht in das Bild einer männlichen Herrschaft passen.

Wer es also Jaye zum Vorwurf macht, dass hier Feministinnen ein schlechteres Bild abgeben als Männerrechtler – der konzentriert sich vermutlich ganz auf die Idee, dass Wirklichkeit eine mediale Konstruktion sei. Sie hätte den Film anders konstruieren müssen.

(...) So stellt der Film schließlich implizit vor allem zwei Fragen, die offen bleiben. Warum wird die Rede von spezifisch männlichem Leid als ungeheure Provokation wahrgenommen? Und warum gibt es Menschen, die nicht nur selbst den Dialog darüber verweigern – sondern die zudem alles tun, damit auch niemand anderes darüber sprechen kann? Denn Bilder von massiven Störungen männerrechtlicher Veranstaltungen durchziehen den ganzen Film.

(...) Eigentlich müsste jeder Mensch, der sich mit Geschlechterpolitik beschäftigt, begierig darauf sein, ihn zu sehen – weil er eine neue, viel zu wenig vertretene Perspektive einbringt. Statt dessen aber reicht es feministisch inspirierten Aktivistinnen keineswegs, den Film einfach nicht anzusehen – es reicht ihnen nicht einmal, Menschen am Besuch einer Vorführung zu hindern – sie versuchen sogar, die Vorführungen insgesamt zu verhindern. Das hat eine unverkennbar kultische, abergläubische Dimension: Als wäre es schon eine unendliche Belastung, dass es das Böse überhaupt in der Welt gibt – selbst dann, wenn kein einziger Menschen Kontakt dazu haben kann.

Dabei müsste dieser Film eigentlich ein Schmuckstück in jeder feministischen Sammlung sein. Jaye tritt entschlossen für Gleichberechtigung ein – sie öffnet Geschlechterrollen, klärt umfangreich über spezifisches männliches Leid auf und erledigt damit wie nebenbei das Klischee des allzeit starken Mannes – und, vor allem: Der Film hilft dabei, soziale Realitäten anders zu sehen, als sie bislang routiniert und rituell gesehen worden sind.

Doch Jaye rechnet wohl schon mit den massiven feministischen Widerständen gegen diesen Film, und sie erklärt an seinem Ende, dass sie etwas hinter sich lassen musste: Sie würde sich nicht mehr als Feministin bezeichnen.

Vielleicht aber lässt sich auch das auch noch einer anderen Perspektive sehen. Jaye ist durchaus eine Feministin, aber eben eine, die dem feministischen Selbstbild entspricht. Es ist nur zwangsläufig, dass sie sich dann von der feministischen Realität distanzieren muss: von der verbissenen Weigerung, störende Aspekte der sozialen Wirklichkeit auch nur wahrzunehmen – von der gewaltsamen Verhinderung offener Dialoge – von der institutionalisierten und institutionell gemolkenen Geschlechterfeindschaft – und, vor allem, von der Spaltung der Menschlichkeit, mit der selektiert wird, welche Menschen ein Anrecht auf Empathie haben und welche nicht.


Unter Schoppes Artikel findet sich folgender Kommentar einer Leserin namens Renate:

Der Film ist natürlich insofern frauenfeindlich, als dass man sich als anständiger Mensch weiblichen Geschlechts zu Tode schämen muss angesichts der Realität.




3. Die Welt beschäftigt sich mal wieder mit dem Gender Pay Gap:

Personaler betonen, dass weibliche Mitarbeiter für exakt die gleiche Tätigkeit nicht weniger bekommen als männliche. "Unterschiedliche Bezahlung aufgrund des Geschlechts allein spielt kaum eine Rolle", sagt auch Stepstone-Geschäftsführerin Simone Reif. Sie hat die Gehaltsdaten von rund 60.000 Fach- und Führungskräften ausgewertet. Die Studie lag der "Welt" vorab vor.

(...) "Der wichtigste Tipp, um nicht in die Pay-Gap-Falle zu tappen, ist Selbstvertrauen. Frauen verhalten sich in Gehaltsverhandlungen oft zu bescheiden", findet Reif. Jede dritte weibliche Fachkraft habe noch nie nach einer Gehaltserhöhung gefragt. Das wirke sich direkt auf das Gehalt aus: Wer den Chef einmal im Jahr fundiert auf mehr Geld anspreche, bekommt einer Statistik zufolge rund ein Fünftel mehr Gehalt als die, die es nie tun.


Wer ein wenig deprimiert werden möchte: Die Zeitschrift Unicum hat mehrere Studenten und eine Professorin für Gender-Studien zu diesem Thema befragt. Die Studenten übernehmen das Weltbild der Gendertante komplett: "Das ist genau der gleiche Quatsch wie Rassismus – der ist doch auch vollkommen sinnlos." Was waren das für Zeiten, als alles noch so einfach war ...



4. In einem gelungenen Artikel stellt Cathy Young die Feministin Rebecca Solnit, der wir das Wort "Mansplaining" zu verdanken haben, als The Queen of Fakery vor – denn Solnit hat offenbar eine ähnlich eigentümliche Beziehung zur Wahrheit wie Donald Trump. Dabei kommt Cathy Young auch auf die Tendenz des aktuellen Feminismus zu sprechen, zahllose Frauen auszugrenzen:

It also illustrates a key fact about Solnit’s brand of feminism, in which women’s voices must be respected only if they are "womaning right." Those who don’t — female gamers who support GamerGate, female critics of "Yes Means Yes," women who like the wrong books — are promptly relegated to non-womanhood. No wonder feminism as we know it in 2017 leaves so many women cold.

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