Freitag, April 27, 2018

An der Uni Bielefeld können Frauen masturbieren lernen – News vom 27. April 2018

1. Eine ungewöhnliche Hochschulveranstaltung in Bielefeld zieht Kritik auf sich.



Nachdem ich mit dieser Meldung Aufmerksamkeit für die heutige Presseschau gewonnen habe, geht es jetzt mit männerpolitisch relevanten Nachrichten weiter:



2. Wer in den letzten Tagen die Väterszene im Internet erlebt hat, dürfte mitbekommen haben, dass es Manipulationsvorwürfe gegen eine MDR-Sendung aus der Reihe "Fakt ist" zum Wechselmodell gab. Lutz Bierend hat den Unmut zusammengefasst: Fakt ist: Man redet viel Unsinn.



3. "Schluss mit Kuckuckskindern!" fordert Nadia Meier im Mamablog.



4. Die Süddeutsche Zeitung beschäftigt sich mit Vätern zweiter Klasse.



5. "Sollen Vaterjuden mit auf Machane?" diskutiert die "Jüdische Allgemeine".



6. Spiegel-Online porträtiert den Flüchtling Navid, der sich in Berlin prostituiert. Der Beitrag ist leider kostenpflichtig, und es erscheint mir in diesem Fall nicht sinnvoll, nur einzelne Zeilen aus diesem Porträt zu zitieren.



7. Der britische Prinz William und Herzogin Kate haben männlichen Nachwuchs bekommen. Der Londoner Evening Standard prophezeit dem Jungen, dass er es schwer haben wird – oder schwer haben würde, wenn er nicht von blauem Blut wäre. Ein Auszug:

Im Jahr 2018 haben Jungen Probleme. Jungen bedeuten Probleme. Nach Harvey Weinsteins Bloßstellung, dem Triumph des Pussy-Grabber-Präsidenten Trump und der ganzen #MeToo-Flutwelle bleiben bemerkenswert wenige positive Assoziationen damit bestehen, ein Mann oder ein Junge zu sein. Das Wort "Männlichkeit" wird nun fast automatisch mit "toxisch" ("giftig") gepaart. Giftige Männlichkeit! Keine Einschränkungen, keine Zweifel. (...) Jetzt ist diese Bezeichnung zu einem Schlagwort mutiert, einem Begriff der allgemeinen Beschimpfung aller Männer, die auf Twitter wild herumgeschleudert wird (zum Beispiel heute, um den Terroranschlag in Toronto zu erklären). Männlichkeit selbst wird jetzt als Problem betrachtet.




8. In den USA verklagen Männerrechtler immer öfter sexistische Veranstaltungen und Aktionen. Frauen macht das ganz traurig:

Im August 2017 organisierte Mandy eine großartige und erfolgreiche Veranstaltung. Die Veranstaltung wurde als "A Girls' Night Out Dance Party" in den SpringHill Suites in Oceanside beworben, offen für "Ladies 21 und darüber", und Rodriguez zufolge war sie fünf Wochen im Voraus ausverkauft.

"Es war die Gelegenheit, einige Frauen zusammenzubringen, um sich zu vernetzen und einfach etwas anderes und lustigeres zu machen", sagte sie zu NBC7 Investigates.

Sechs Wochen später sagte Mandy, dass sie schockiert war, als sie und das Hotel verklagt wurden und beschuldigt wurden, sexistisch gegenüber Männern zu sein.

"Ich war sehr gestresst. Es gab eine Menge Weinen, eine Menge Tränen", sagte Mandy. "Ich ging an einen wirklich dunklen Ort und es war beängstigend, sehr beängstigend."


(Unwillkürlich fragt man sich, wie es wahrgenommen würde, wenn Männer auf Diskriminierungsklagen so reagieren würden.)

Frauen, die von dieser und anderen Klagen der Männerrechtler betroffen sind, verweisen darauf, dass die Gesetze gegen sexuelle Diskriminierung doch offenkundig dafür gedacht seien, Frauen voranzubringen, FRAUEN! verdammt noch mal, und jetzt "missbraucht" würden. Aber die fiesen Männerechtler zeigen sich erschreckend störrisch:

Frye, Allison und Rava waren alle Mitglieder der National Coalition for Men (NCFM), einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in San Diego, deren Mitglieder prominent in Diskriminierungsverfahren involviert waren.

Laut der Website der Gruppe hat NCFM "... Kundgebungen organisiert, erfolgreiche Bürgerrechtsklagen eingereicht und unzählige andere Formen von Aktivismus betrieben ..."

NBC7 Investigates untersuchte die öffentlichen Steuerbescheide der National Coalition for Men und stellte fest, dass sich von 2012 bis 2016 die Zahl der finanziellen Beiträge für die Gruppe mehr als verdoppelt hat.

Allan Candelore ist Mitglied der National Coalition for Men. "Frauen mögen in der Vergangenheit zu kurz gekommen sein, aber jetzt hat sich das Blatt gewendet, und viele Richtlinien sind gegen Männer ausgerichtet," erklärte er NBC 7 Investigates.

(...) Candelore sagte, dass er selbst mindestens ein Dutzend Klagen eingereicht habe: "Wenn eine Veranstaltung stattfinden wird und es heißt, dass nur weiße Männer teilnehmen dürfen und niemand sonst teilnehmen darf, ist das illegal. Wenn Sie eine Veranstaltung haben, die besagt, dass nur Frauen teilnehmen dürfen und keine Männer, dann ist das illegal. Also hat letztendlich jemand das Gesetz gebrochen."


Einige der betroffenen Frauen planen jetzt, mit Beamten zusammenzuarbeiten, um die Anti-Sexismus-Gesetze so umzuschreiben, dass nur noch Frauen davon profitieren können.

Donnerstag, April 26, 2018

Medien bringen Maskulisten mit Amokfahrt in Verbindung

Nachdem gestern durch die Medien ging, dass zu den Motiven des Amokfahrers von Toronto angeblich Frauenhass gehört, habe ich relativ viele besorgte Zuschriften wie diese erhalten:

Ich habe Angst, dass nun alle männlichen Kritiker von Feminismus und Co., alle Supporter des männlichen Geschlechts nun in die Ecke des Frauen hassenden verrückten potentiellen Mörders gebracht werden.

Das macht mir Angst!


Ich für meinen Teil habe fest damit gerechnet, dass unser Qualitätsjournalismus sich diese Gelegenheit genausowenig entgehen lassen wird wie manche AfD-Politiker, wenn eine Amokfahrt einen muslimischen Hintergrund haben könnte. Bei der Amokfahrt in Münster hatten wir ja gerade erlebt, dass ein Mann, bei dem nichts auf einen solchen Hintergrund hinwies, sofort in die islamistische Ecke phantasiert wurde, um das Verbrechen politisch auszuschlachten. Ähnliches erleben wir jetzt bei dem Amokfahrer von Toronto, zu dem Angela Gruber auf Spiegel-Online Auslassungen wie diese einfallen:

Stimmen die Informationen zur Motivation des Verdächtigen von Toronto, wäre der Vorfall nur ein weiteres Beispiel dafür, wie sich die hasserfüllten Kulturkämpfe aus dem Internet mittlerweile auch offline Bahn brechen. (...) Während sich Feminismus und die Gleichberechtigung der Frau im gesellschaftlichen Mainstream als wichtige Themen durchsetzen, Beispiel #MeToo, sammelte sich im Netz eine Gegenbewegung: Sogenannte Maskulisten schießen vehement gegen die wahrgenommene Unterdrückung des Mannes. Pick-up-Artists - professionelle Aufreißer - leitet Männer dazu an, Frauen als Freiwild zu betrachten.


Für manche unserer Journalisten ist es vom männerpolitischen Aktivisten und vom Flirtcoach zum Massenmörder nur ein winziger Schritt. Und wer sich einseitig für Frauen engagiert, setzt in dieser Rhetorik "wichtige Themen" durch, während Menschen, die eine ganzheitliche Politik für beide Geschlechter fordern, "vehement schießen". Die Kommentarspalte unter dem Beitrag ist wohlweislich deaktiviert.

Auch beim Freitag wird selbstverständlich sofort gefragt: Handelt es sich um maskulinistischen Terror? Kann man ja wenigstens fragen. Vor allem damit einem nicht ganz so schwer im Magen liegt, dass Maskulisten lediglich im Internet schreiben, während Feministinnen tatsächlich terroristisch unterwegs waren.

Die Autorin des "Freitag"-Artikels, Elsa Koester, stellt mehr als ein halbes Dutzend weitere Fragen, auf die sie keine Antwort hat. ("Schaffen es Maskulinisten, psychisch labile Männer mit einer Umwandlung ihres Ohnmachtsgefühls in Hass auf Frauen abzuholen und auf diese Weise soziale Probleme von Männern in politischen Sexismus zu kanalisieren?") Statt Antworten gibt es allerdings nur noch mehr Fragen, die auf den bisherigen Phantasien aufbauen: "Die Gesellschaft müsste sich dann die Frage stellen, wie sie diesen gefährlichen Sexismus und Maskulinismus in den Griff bekommt." Hat sich das "die Gesellschaft" nach dem ganz realen feministischen Terror eigentlich auch gefragt? Valerie Solanas "Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer" mit seinen Vergasungsphantasien hat kein maskulistisches Gegenstück, das noch dazu als wertvolles Kulturgut behandelt wird.

Nun hat der "Freitag" im Gegensatz zu Spiegel-Online den Fehler begangen, seine Kommentarspalte nicht abzuschalten, was zu recht deutlicher Kritik der Leser führt. Einmal mehr sind manche Kommentare zigfach sachlicher und duchdachter als der aufhetzende Artikel. Einige Beispiele:

Nichtsdestotrotz bleibt a) die Tatsache, dass der Täter (ziemlich unterschiedslos) Frauen und Männer getötet hat, b) eine Amokmethode wählte, bei der eine geschlechterspezifische "Ausdifferenzierung" ziemlich unmöglich war, c) das Resummée, dass zumindest aus der Tat heraus ein spezifisches Hassverbrechen gegen Frauen, so wie Frau Koester meint, nicht zu erkennen ist.

Wie gesagt, zweifele ich nicht an der im Artikel aufgerissenen Motivlage. Umso ärgerlicher allerdings ist der (feministische?) Tunnelblick, der dieses Verbrechen fein säuberlich sezieren möchte von ähnlichen, bei denen die exklusive Opfergruppe Frauen nicht so ausgemacht erscheint. So werden ideologisch kaum (noch) haltbare Begriffstrennungen in die Argumentschale geworfen (wie die zwischen "Terror" und "Amok"), nicht zur eilig gestrickten Theorie passende Hassverbrechen (wie zuletzt in Münster, Parkland oder auch auf dem Harvest Music Festival in Las Vegas) fast zur Gänze ausgeblendet und ansonsten lustig Tätermotiv-Domino gespielt. Liest sich im Ergebnis so, als hätte die Tat die Autorin nicht sonderlich gejuckt – wäre nicht zufällig ein maskulinistischer Background ins Visier geraten.

Nicht hilfreich beziehungsweise politisch schädlich ist die getroffene Fokussierung auf das Motiv Maskulinismus speziell vor dem Hintergrund, dass Beliebtheit der Amokwaffe Automobil – als Ergänzung zu den "Klassikern" Schusswaffe(n) und Sprengstoff – in den letzten zwei, drei Jahren rapide angestiegen ist. Bei den einen Tätergruppen akribisch nachforschen und bei den anderen kühl mit der Schulter zucken ist sicherlich KEINE Herangehensweise, die bei der Ergründung dieses Phänomens weiterbringt.


Wie kann man das Problem lösen? Indem man die Ursache bekämpft! Sie rufen aber danach, dass man den Maskulismus in den Griff bekommt. Das betrachte ich mit einem gewissen Unbehagen, denn wer bestimmt was Maskulismus ist? Vor kurzem wurde mir dieses Etikett angehängt, weil ich bestimmte Auswüchse des Feminismus kritisierte. Wenn jetzt Inceler zum Anlass genommen werden, um gegen Maskulinsisten (also Männer, die sich für Rechte von Männern in Bereichen, wo diese benachteiligt sind) vorzugehen, dann bewegen wir uns einen Schritt weiter in Richtung autoritären Feminismus.

Zur Frage der Problemlösung: Wie ich sagte sind Inceler geisteskrank also psychisch schwer gestörte Männer. Und als solche muss man sie verstehen, wenn man das Phänomen begreifen will. D.h. man sollte ihnen nicht das zugestehen, was Sie ihnen zugestehen, wie z.B. eine politische Agenda. Um das Problem zu verstehen, müssen alle sich mit Incels näher beschäftigen und nach den Ursachen ihrer Probleme fragen. Eine Ursache ist meiner Meinung nach, dass die männliche Sexualität heutzutage einer starken Verdrängung unterliegt und das schon seit einigen Jahrzehnten. Impotenz und Sexshyness sind unter jungen Männern sich immer mehr verbreitende Probleme. Gleichzeitig haben wir eine Gesellschaft, die sexuelle Liberalität offensiv vertritt und fordert. Das ist die perfekte Konstellation, um Aggression zu säen (langanhaltende Triebfrustration führt zu Aggressivität). Dagegen muss man vorgehen. Ein erster Schritt wäre vielleicht, dass man Jungen von klein auf ein positives Männlichkeitsbild vermittelt.


Da dieser Text gleich oben auf der Seite steht und ins Auge fällt, wenn "Der Freitag" aufgerufen wird, macht deutlich, dass die Zeitung den Wettlauf mit der "Bild" um das tiefste Niveau, welches man seinen Lesern zumuten will, durchaus gewinnen kann.


Die These von Elsa Koester hat etwas Beatrix-von-Storch'sches, auch wenn das beide Frauen ungern lesen oder hören würden.


Dieselbe Assoziationskette - von einer Argumentationskette kann man ja nur schwerlich sprechen - hatten wir doch schon bei Anders Breivik: Wie schön wär‘s doch, wenn man sämtliche Männeranliegen einfach unter Terrorismus abbuchen könnte ...


Ein im FOCUS veröffentlichter Artikel ist ebenfalls von fragwürdiger Qualität. Dort heißt es zu dem Massenmörder Elliot Rodger, den sich der Amokfahrer von Toronto zum Vorbild genommen haben soll:

Ermittlern zufolge hatte Rodger seine Tat damals ausgeführt, weil er Anhänger einer Männeraktivisten-Bewegung gewesen sei und keinen Erfolg bei Frauen hatte. (...) "Eine der Hauptursachen für ausgeprägten Frauenhass liegt darin, dass Männer in unserer Gesellschaft Druck verspüren, ihre Männlichkeit beweisen zu müssen", sagt [Professor Rolf] Pohl. Männlichkeit definiere sich häufig immer noch über Beziehungen und das Erobern einer Frau. "Erfahren Männer dabei sexuelle Zurückweisung und wiederholt sich dies oft, kann das eine Ursache für Frauenhass sein", so der Experte. (...) Im Netz organisieren sich inzwischen immer mehr Frauenhasser, beobachtet Sozialpsychologe Pohl: "Es gibt verschiedene Szenen mit frauenfeindlichen Einstellungen, die gut miteinander vernetzt und oft rechtsextrem angehaucht sind." Die Pick-up-Szene, in der es darum geht, Frauen möglichst leicht "flachzulegen", sei ein solches Beispiel für antifeministische Einstellungen. "Es gibt eine starke männerrechtliche Bewegung, die mit ihrem Frauenhass auch Züge von Gewaltbereitschaft zeigt", sagt Pohl. Man müsse diese als Antwort auf aktuelle Feminismus-Debatten sehen. Manche Männerrechtsbewegungen seien vergleichbar mit Szenen wie die der Reichsbürger. Der Experte warnt: "Es gibt ein Gefährdungspotenzial." (...) Im Alltag können sich erste Anzeichen von Frauenhass bereits dann zeigen, wenn Männer Frauen unerlaubt anfassen oder sexistische Sprüche verbreiten. Alltagssexismus ist laut dem Psychologen eine Vorstufe, der in Frauenhass münden kann.


Jetzt ist also schon "Frauen unerlaubt anfassen" die Vorstufe zum Amoklauf. Wenn jemand sich derart versteigt, wundert es einen nicht, dass er bei Männerrechtlern von "Gefährdungspotenzial" raunt – hübsch vage und ohne irgendwelche Belege oder auch nur Konkretisierungen, wer genau mit diesen doch recht happigen Unterstellungen gemeint ist. Freundlich formuliert: Das macht eine Überprüfung dieser Behauptungen nicht gerade einfach. Von diesem "Gefährdungspotential" wird seit sieben Jahren schwadroniert, an Gewalthandlungen passiert ist aus der maskulistischen im Gegensatz zur feministischen Ecke: gar nichts. Der entscheidende Punkt aber, den der "Experte" nicht wahrnehmen möchte, ist, dass Elliot Rodger weder Männeraktivist noch Unterstützer der Pickup-Bewegung war, sondern dass er sich auf der Gegenseite herumtrieb: einer Community von Pick-Up-Hassern. (Und mal im Ernst: Einsame Männer, die nach langen Jahren der Suche keine Frau finden, die ihre Liebe erwidert, verzweifeln nur, weil sie ihre Männlichkeit nicht beweisen können? Nach solchen Kloppern weiß man eigentlich schon, was von diesem "Experten" zu halten ist. Ein Großmeister in Empathie ist er sicherlich nicht.)

Der Schweizer Tages-Anzeiger titelt "Wie Männerbewegungen sich im Internet zu terroristischen Anschlägen radikalisieren". In dem Artikel von Michèle Binswager heißt es:

Es stellt sich die Frage, ob man noch von einem zufälligen Phänomen sprechen kann. Gerade eben ist in Neuenburg ein Mann mit einer Axt auf Frauen losgegangen und im September 2016 zündete ein Mann in der St.Galler S-Bahn Frauen an und stach auf sie ein. Wie bei vielen Amokläufern dürften auch hier psychische Probleme den Anstoss gegeben haben: pathologischer Narzissmus, unverdaute Kränkungen, fehlende Frustrationstoleranz. Doch analog zum islamistischen Terror hat auch der Hass auf Frauen ein Fundament. (...) Der britische Journalist Arshy Mann hat über diese Incels recherchiert und Folgendes herausgefunden: Incels sind Teil einer breiter organisierten virtuellen "Männersphäre", unter der sich Online-Maskulinisten mit jeweils verschiedenen Interessen und mehr oder weniger stark ausgeprägtem Frauenhass sammeln: Antifeministen, Aufriss-Artisten, Männerrechtsaktivisten. Anders als zum Beispiel Letztere argumentieren die Incels aber nicht mit Menschenrechten oder sonst rationalen Argumenten.


Aber warum werden dann Menschenrechtler, die mit rationalen Argumenten arbeiten, überhaupt rhetorisch mit einem aus der Psychiatrie entflohenen potentiellen Axtmörder zusammengerührt? Noch dicker wird diese Soße in einem bei Woman veröffentlichten Artikel:

Aktuell wird der Begriff vor allem in der der sogenannten "Manosphere" verwendet – ein Sammelbegriff für antifeministische Zusammenschlüsse von Männern im Internet: Von sogenannte "Pick-up-Artists", über Väterrechte-Aktivisten, männlichen Missbrauchsopfern bis hin zu Verstrickungen mit der rassistischen Alt-Right-Bewegung reicht der gedankliche Bogen in der "Manosphere", die sich häufig auf Reddit tummelt.


Gut, ihr männlichen Missbrauchsopfer solltet euch jetzt aber wirklich schämen, dass ihr mit eurer Leidensgeschichte zu Frauenhass und damit letztlich zu Axtmördern beitragt. Ich hoffe, ihr macht es im nächsten Leben besser.

Wenn man mal von dem Versuch absieht, sämtliche Widerworte zum Feminismus zu dämonisieren, eint all diese Artikel ein allzu bekanntes Grundmuster. Vor dreißig Jahren stellten Fantasy-Rollenspiele angeblich eine große Bedrohung dar, danach hatten PC-Spiele zahlreicher "Experten" und "Sozialpsychologen" zufolge ein "Gefährdungspotenzial" und jetzt sind es Pick-up-Artists und Maskulisten, die als Wegbereiter von Gewalttaten dargestellt werden. Die jeweiligen Gemeinsamkeiten sind offenkundig: Es handelt sich jedesmal um neue Phänomene, es handelt sich um Dinge, mit denen sich weit überwiegend junge Männer beschäftigen, und es handelt sich um Szenen, zu denen die berichtenden Journalisten keinen Zugang haben, weshalb sie von aufsehenerregenden Extremfällen ausgehend wild extrapolieren. Oft dauert es einige Jahrzehnte bis sich herausstellt, dass die so alarmistisch dargestellten Erscheinungen in Wahrheit vollkommen harmlos sind: viel Zeit, in der Publizisten mit wenig Ahnung von der Sache zur Jagd auf Sündenböcke gehen können.





Das Thema wird heute auch bei Christian Schmidt diskutiert.

Mittwoch, April 25, 2018

"Ein Leben lang bezahlen für das Kind eines anderen" – News vom 25. April 2018

1.
Vaterschaftsklagen sind in der Schweiz enge Grenzen gesetzt. Ein Mann, der nicht der leibliche Vater seines Sohnes ist, hat das soeben erfahren.


Der Tages-Anzeiger berichtet.



2. "Wird Müttern etwas weggenommen, wenn Väter das selbe wollen?" fragt Sandro Groganz auf der Website "Freiheit für Familien":

Mütter, die gegen das Wechselmodell sind, reagieren auf Väter, die dafür sind, als wollten sie den Müttern die Kinder weg nehmen. Ein Farmbesitzer, dem man einst die Sklaven wegnehmen wollte, damit sie so frei sind wie er, hatte auch das Gefühl, dass man ihm etwas weg nimmt.

Das Prinzip ist bei ungleichen Machverhältnissen immer das selbe: Für diejenigen, die die Vorteile der Macht genießen, erscheint es immer so, als würden die anderen, die für gleiche Rechte kämpfen, ihnen etwas nehmen. Das Problem der Mächtigen ist nicht die Gleichheit, sondern der Verlust der Vorteile der Ungleichheit.


Hier geht es weiter.



3. Und da es derzeit nur spärlich erwähnenswerte Nachrichten und Artikel gibt, sind wir schon bei der Post. Einer meiner Leser schreibt mir heute:

Soeben bin ich auf den Fall "Leverett" gestoßen. Caleb Leverett ist ein Vater, dessen 14 jähriger Sohn Parker nach der Trennung bei ihm leben will. Das Besondere hier ist, dass es in erster Linie der Sohn selbst ist, der gegen den Widerstand der Gerichte, der Staatsmacht und der Mutter um sein Recht kämpft.

Leider ist dieses Video sehr lang (72 Minuten), aber es lohnt sich. (Das zeigen sechs Millionen Views).

Ein Gericht hatte die gemeinsame Sorge beider Elternteile angeordnet. Das Video dokumentiert das Geschehen nach einer von Vater und Sohn gemeinsam verbrachten Zeit und vor der Übergabe an die Mutter. Parker weigert sich nämlich einfach, aus dem Wagen seines Vaters auszusteigen und der wiederum kann (bzw. will) ihn nicht zwingen. Da Leverett die ganze Szenerie aufzeichnet, kann die Mutter auch keinen körperlichen Zwang erzeugen (die Wagentür öffnen und ihren Sohn rauszerren), sondern kann nur auf ihren Sohn "einreden" und "die Cops rufen".

Wer noch keine Vorstellung vom möglichen Charakter "toxischer Weiblichkeit" hat, möge bei den nun folgenden Szenen besonders aufpassen, denn sie greift auf das komplette Manipulationsarsenal einer narzisstisch-gekränkten Mutter zurück.

Ich kann nur sagen, dass das Video von außen betrachtet eher harmlos wirkt, weil es im klassischen Sinne keine "Action" gibt, dennoch "triggert" es. Zumindest jene Menschen, die sich in die jeweilige Situation der Protagonisten hineinversetzen können.

Dienstag, April 24, 2018

Deutschlandradio: "Maskulismus – Zwischen Männerthemen und Frauenhass" – News vom 24. April 2018

1. In einem aktuellen Beitrag für den Deutschlandfunk, den man sich auch als Podcast anhören kann, beleuchtet Laura Lucas aus feministischer Sicht die Debatte um den Maskulismus. Ich selbst komme dort als Mitglied von MANNdat sowie der Liberalen Männer (FDP) zu Wort. Außerdem äußern sich der Antimaskulist Andreas Kemper, der die Männerrechtsbewegung missbilligt, sowie der Paar- und Sexualtherapeut Eilert Bartels, der aufhörte, sich als Feminist zu bezeichnen, nachdem er dessen Sichtweise als einseitig erkannt hatte. (Ich bin mit Eilert Bartels auf Facebook befreundet, wo er für eine Zusammenarbeit von Feminismus und Maskulismus plädiert.)



2.
Die #MeToo-Debatte hat gezeigt, wie oft Männer ihre Machtpositionen ausnutzen. Aber welche Rolle spielen dabei die Frauen? Machen sie sich schwächer, als sie sind? Festigen sie mit ihrem Verhalten nicht vielleicht sogar männliche Macht?


Hier geht es weiter mit dem Beitrag von Svenja Flaßpöhler.



3. Lucas Schoppe wird in einem aktuellen Beitrag, den Sie eigentlich genauso gut gleich im Volltext lesen könnten, grundsätzlich, was die politische Situation in unserem Land betrifft. Ich zitiere einmal sehr ausführlich:

Im Gespräch mit Kolleginnen erlebte ich neulich eine Reaktion, die mich überraschte. Ich hatte den Eindruck geäußert, dass wir uns langsam in die Richtung einer Politik nach DDR-Stil bewegen, hin zu einem ständig moralisierenden Autoritarismus. (...) Unser Kollegium ist politisch weit überwiegend rot-grün, aber die Kolleginnen stimmten sofort zu, als hätten sie längst dasselbe Gefühl. Nach vielen persönlichen Erfahrungen wie dieser bin ich mir sicher: Das Unbehagen an der Entwicklung unserer Demokratie ist nicht einfach ein spinnertes Ressentiment einiger "Lügenpresse"-Rufer von rechts, sondern reicht weit in ein links-liberales Spektrum hinein.

Das ist, insbesondere in dem großen Text von Leszek, ja auch hier im Blog immer wieder Thema gewesen: Im politischen Feld ersetzt das moralisierende Abqualifizieren des Gegners mittlerweile ganz selbstverständlich die Auseinandersetzung mit ihm – Gruppen kommunizieren intern und untereinander, aber nicht mit Akteuren aus anderen Gruppen – das Bewusstsein verschwindet, dass sich alle Beteiligten, und sei es aus noch so begrenzten Perspektiven, auf eine gemeinsame Wirklichkeit beziehen.

Bei aller Ablehnung der Positionen von rechtsaußen habe ich gleichwohl den Eindruck, dass diese Balkanisierung der Politik besonders intensiv von Gruppen betrieben wird, die sich als "links" verstehen.


Schoppe konkretisiert diese allgemeinen Gedanken nun anhand der Vorkommnisse um den Frankfurter Wissenschaftskongress gegen häusliche Gewalt vom vorvergangenen Wochenende:

AStA und Homosexuellen-Aktivisten organisierten Proteste und versuchten, den Kongress zu verhindern. Wie abgekoppelt von der Wirklichkeit ihre Begründungen waren, demonstrierten unbeabsichtigt zwei türkische Migranten, die bei dem Protest auftraten:

"Wir sind vor dem IS geflohen, jetzt müssen wir in einem der fortschrittlichsten Länder in Europa so etwas erleben."

So hat eben jedes Land seine unvorstellbaren inhumanen Schrecknisse: In dem einen wütet der massenmörderische Terror des IS, im anderen wird ein Kongress zur häuslichen Gewalt abgehalten. In einer bezeichnenden, an Orwell geschulten, aber gar nicht beabsichtigten Selbstironie bezeichnen die Demonstranten, die den Kongress über häusliche Gewalt verhindern wollten, ihre Aktionen als Demo für Akzeptanz und Vielfalt.

Nicht nur queer.de, die Quelle dieses Zitats, auch Medien mit dem Ruf der Seriosität wie die Frankfurter Rundschau, die Hessenschau oder bento vom "Spiegel" berichteten in ähnlich entkoppelter Weise über den Kongress. Dazu kamen schnell Akteure der Grünen, der SPD und, ausgerechnet, der Ex-SED. Sie fixierten sich auf die Unterstellung von Homosexuellenfeindlichkeit und blendeten ganz aus, worum es den Wissenschaftlern eigentlich ging.

Auch das ist, bei allen Unterschieden, eine Parallele zum DDR-Staat. Die völlig selbstverständliche Lancierung von Falschmeldungen, von denen eigentlich alle wissen, dass es Falschmeldungen sind, ist eine Machtdemonstration. Ich weiß, dass es falsch ist, was ich über Dich sage – Du weißt, das es falsch ist – andere wissen, das es falsch ist – aber ich sage es trotzdem, und Du kannst nichts daran ändern.

Der Faschismus-Vorwurf hat dabei eine ganz besondere Funktion. Für ein linkes Selbstverständnis muss der Marsch durch die Institutionen notwendig Widersprüche produzieren: Das Volk wird gegen die Herrschenden vertreten – aber die Vertreter gelangen dabei selbst in Herrschaftspositionen dem Volk gegenüber. Wenn diese Herrschaft dann nicht selbstverständlich akzeptiert oder bejubelt, sondern aus der Bevölkerung offen kritisiert wird, dann werden die Widersprüche sichtbar und erfordern eine Reaktion.

Der Faschismus wiederum ist ohnehin, und ja völlig zurecht, verbucht als destruktiver Volksverführer, als reaktionäre Propagandamaschine, der Einhalt geboten werden muss. Der beliebige Faschismus-Vorwurf zielt vor diesem Hintergrund gar nicht auf politische Inhalte und ist daher auch mit sachlichen Klärungen kaum zu entkräften. Er ist eine projektive Reaktion darauf, dass ausgerechnet die Menschen, für die linke Akteure Politik machen, gegen diese Politik aufstehen. Sie lassen sich dann als Verführte darstellen, aber eben gefährliche Verführte, denen Einhalt geboten werden müsse. Damit kann das Selbstverständnis aufrecht erhalten bleiben, gegen deren Proteste für diese Menschen Politik zu machen. "Ich liebe doch alle – ich liebe doch alle Menschen. Ich liebe doch."

Das hat nicht nur den Nachteil, dass so die Auseinandersetzung mit den eigenen, objektiven Widersprüchen vermieden wird. Tatsächlich wird auch unterschwellig ausgerechnet das faschistische Bild "des Volkes" übernommen, das verführbar, formbar, irrational und daher der Führung bedürftig wäre. Selbst wer die Menschen offen anlügt, kann sich dann einreden, er täte es nur in ihrem Interesse.

Wie massiv diese Fehleinschätzung ist, zeigt sich beispielhaft an der Frankfurter Rundschau, die einmal eine der wichtigsten Zeitungen des Landes war, die aber mittlerweile so viele Leser verloren hat, dass sie Zahlen zu ihrer Auflage schon seit einigen Jahren gar nicht mehr veröffentlicht (...). Die Leser, die dieser Zeitung verloren gingen, waren ja eben gerade keine Angehörigen einer verhetzten, "rechtsoffenen" Masse, sondern Linksliberale, und offenbar kritische Linksliberale.

Die DDR musste sich schließlich einmauern, um zu verhindern, dass die Menschen, die sie brauchte, scharenweise das Land verlassen (...). Das könnte eine wichtige Einsicht für unsere heutige Linke sein, ob nun für linksliberale Blätter oder für eine sozialdemokratische Partei: Wer sich darauf fixiert, die politisch Bösen zu identifizieren und draußen zu halten – der grenzt nicht das Böse aus, sondern verliert eben die Menschen, die er für eine humane Politik braucht.

Montag, April 23, 2018

Leitmedien verlieren weiter rasant an Auflage – News vom 23. April 2018

1. Obwohl sich viele Journalisten verlässlich an dem orientieren, was ihre Kollegen lesen möchten, ist die Auflage verschiedener Leitmedien im ersten Quartal des Jahres erneut drastisch gesunken. So hat beispielsweise der "Spiegel" im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres 2017 knapp 9 Prozent seiner Leser verloren. "Süddeutsche Zeitung" und "Frankfurter Allgemeine" kamen mit lediglich zwei Prozent vergleichsweise glimpflich davon.



2. Sandro Groganz berichtet über die psychischen Folgen seiner Entrechtung als Vater.



3. Das nächste Kuckucksvätertreffen findet am 5. Mai in Bonn statt.



4. Der Londoner Marathon zog einigen Unmut auf sich, weil dort der "Geschlechtergerechtigkeit" zuliebe Männer schneller laufen mussten als Frauen, um antreten zu dürfen.

Samstag, April 21, 2018

Rückblickende Pressemitteilung Professor Gerhard Amendts zum Frankfurter Anti-Gewalt-Kongress

Mich erreicht gerade eine aktuelle Pressemitteilung, worin der Soziologe Professor Gerhard Amendt auf den Wissenschaftskongress über sinnvolle Maßnahmen gegen häusliche Gewalt zurückblickt, der letztes Wochenende an der Frankfurter Goethe-Universität stattgefunden hat. Genderama dokumentiert diese Pressemitteilung im Wortlaut:

Am vergangenen Wochenende haben ca. 150 Teilnehmer am Kongress "Familienkonflikt" teilgenommen. Der Kongress bot eine differenzierte Sicht auf partnerschaftliche Gewalt und deren Entstehung, die in der internationalen Forschung schon länger auf der Basis der empirisch bewiesenen Symmetrie der Gewalt zwischen Männern und Frauen entwickelt wird.

Die Vorträge der Wissenschaftler aus USA, Großbritannien und Israel stießen auf großes Interesse. Sie vermittelten einen Einblick in den Stand der Internationalen Forschung im Bereich der Partner- und Familiengewalt. Dabei ging es um Prozesse, die Gewalthandlungen vorausgehen und die für die praktische Arbeit wie die Gesundheitspolitik von Bedeutung sind. Unmittelbare Handreichungen für Beratung und Therapie konnte der Kongress nicht liefern. Die Assimilierung von neuem Wissen für die Praxis muss vor Ort geleistet werden. Zukünftige Kongresse sollen jedoch eine engere Verzahnung von Wissenschaft und Berufspraxis verfolgen.

Der Kongress war von Protestaktionen und massiven Störungen begleitet. Sie waren gegen den Veranstalter, Kongress und Referenten gerichtet. Unwahrheiten und Schmähungen wurden durch einstweilige Verfügung des Gerichts oder Unterlassungserklärungen begegnet; u. a. der Frankfurter Rundschau, der Hessenschau.de und dem Merkurist als Quelle aller Falschbehauptungen.

Verwundert hat, dass die Präsidentin der Goethe Universität den Falschbehauptungen folgte und vom Veranstalter die schriftliche Zustimmung zum Werteverständnis der Universität - auch der Referenten – als Bedingung des Kongresses verlangte. Letztlich saßen mediale Berichterstattung, Demonstrationen und Universität einer Reihe von Unwahrheiten auf.

Der Kongress war ein Erfolg, weil er der den Teilnehmern den Blick auf die Forschungslandschaft im Ausland eröffnete. Die Bundesregierung ist daher gut beraten, mehr für die hiesige Forschung zu tun. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Kontrolle der Forschung über familiäre Gewalt vor allem durch das Familienministerium den Fortschritt hemmt und den Blick auf die Realität versperrt.

Vorträge und Bilder des Kongresses werden in Kürze auf familyconflict.eu zur Verfügung gestellt.

Gerhard Amendt

"Justizministerin Barley: Frontalangriff auf Meinungsfreiheit und Pluralismus" – News vom 21. April 2018

1. Die Selbstbestimmtheit der Bürger im Internet ist denjenigen Politikern, die ihre eigene Meinung flächendeckend durchsetzen möchten, weiterhin ein Dorn im Auge. So berichtet der Tagesspiegel über aktuelle Pläne von Justizministerin Katarina Barley (SPD):

Die Programme, mit denen etwa Facebook seinen Nutzern automatisiert ausgewählte Informationen bereitstellt, sollten laut Barley nicht allein darauf ausgerichtet sein, was einem gefällt. Es könnten auch andere Sichtweisen transportiert werden, "um einer kompletten Blasenbildung entgegenzuwirken", sagte die Ministerin bei einer Diskussionsveranstaltung der Deutschen Public Relations Gesellschaft und des Tagesspiegels zu Hassreden im Internet und dem umstrittenen Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Als Beispiel nannte sie Berichte über Flüchtlinge oder Themen aus der Geschlechterdiskussion.


Das ist natürlich schon deshalb absurd, weil es dieses Pluralismusgebot in den etablierten Medien nicht gibt. So wird die feministische Weltanschauung auf allen Kanälen propagiert, während über die Anliegen von Männerrechtlern nur in homöopathischen Dosen berichtet werden darf und fast immer in Verbindung damit, dass man diese Männerrechtler rufmörderisch niedermacht.

Aber auch anderweitig ist Barley Forderung nach einer Verpflichtung, dass ihre Auffassungen sogar in private Facebook-Debatten einfließen sollen, problematisch. Alexander Wallasch erklärt, warum Barleys Forderung " verstörend" wirken müsse, wenn man ein Gedächtnis für "die leidvollen Erfahrungen aus Nationalsozialismus und DDR-Diktatur" besitze: "Was die Justizministerin da vorschlägt", so Wallasch, "so etwas muss man sich erst einmal trauen, überhaupt öffentlich zu äußern."

Wallasch führt hierzu aus:

Nun ist man von etablierten Machtstrukturen in Demokratien mittlerweile einiges gewöhnt, aber hier ist eine Steigerung in einer Wucht erkennbar, mit der das Justizministerium den von Heiko Maas gesetzten Frontalkurs gegen das demokratische Wertesystem noch einmal eskaliert. (...) Eine, die man ohne Übertreibung als direkte Kampfansage gegen die außerparlamentarische Opposition bezeichnen darf. (...) Denn wer wie Barley im digitalen Zeitalter eine "Pluralismus-Pflicht" fordert, der muss etwas anderes im Sinn haben, stehen doch die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungen im besonderen Maße für eben das: Einen Meinungspluralismus, wie es ihn zuvor nie gegeben hat. Einen, der die mit dem politischen System der Bundesrepublik eng verwobenen etablierten Medien auf besondere Weise herausgefordert hat. Nie zuvor war die Opposition so meinungsstark aufgestellt. Das System einer Opposition nach Leitmedien-Gnaden hat ausgedient. (...) Die kritisierten Bürger waren nicht mundtot zu bekommen, sie wandten sich einfach von diesen sie bevormundenden Medien ab, anstatt mit ihnen in ein streng von den Medien kontrolliertes Zustimmungs-Ping-Pong zu gehen.


Wallasch zitiert in diesem Zusammenhang eine späte Erkenntnis des "Zeit"-Chefredakteuers Giovanni di Lorenzo:

"… ohne Not haben wir uns wieder dem Verdacht ausgesetzt, wir würden mit den Mächtigen unter einer Decke stecken, wir würden so uniform berichten, als seien wir gesteuert."


Statt aus dieser Erkenntnis zu lernen, wolle das politische Establishment nun offenbar die eigene Propaganda in sozialen Netzwerken zwangsimplementieren: "Das von Skandalen rund um massiven Datenmissbrauch erschütterte und geschwächte Facebook beispielsweise soll nun zu nicht weniger genötigt werden, als dazu, dem Nutzer per Algorithmen regierungskonforme leitmediale Texte in seine Timeline einzuspielen."

Allerdings steht zu befürchten, dass Facebook nur den Anfang darstellt. Ich bin gespannt, wann die ersten Sozialdemokraten fordern werden, dass auch Blogs wie Genderama verpflichtet werden sollten, Auffassungen wie, es gebe einen "Gender Pay Gap", ein "Frauen unterdrückendes Patriarchat" und eine "Rape Culture" zu verbreiten. Natürlich nur dem Meinungspluralismus zuliebe.



2. Währenddessen sind liberale Geisteshaltungen nicht totzukriegen: Das Gedicht "Avenidas", das von der Fassade einer Berliner Hochschule entfernt wurde, nachdem Feministinnen es als "sexistisch" anprangert hatten, geht jetzt auf Deutschlandtour.



3. Die US-amerikanische Feministin Kristen Hatten hat sich unmittelbar nach dem Wahlsieg Donald Trumps dessen Lager angeschlossen

Hatten begann, sich als "Ethnonationalistin" auf Twitter zu präsentieren, und teilte eine Reihe von Botschaften weißer Überlegenheit, darunter eine, die Russland für seine "weiße Identität" lobte.

Sie erzählte der Huffington Post, die ursprünglich über die Geschichte berichtete, dass sie "nach heutigen Maßstäben rassistisch" sei, aber bestritt, an eine Überlegenheit von Menschen mit weißer Hautfarbe zu glauben.

"Ich sehe, dass Europa und die USA ... naja, nicht europäisch werden", sagte sie. "Das besorgt mich – nicht, weil ich jemanden hasse, sondern aus dem gleichen Grund, warum Japan besorgt wäre, wenn die Japaner eine Minderheit in Japan werden würden. Kein Volk sollte begeistert davon sein, eine Minderheit in seinem Heimatland zu werden. Es widerspricht der menschlichen Natur. Ich würde es von keiner Rasse erwarten und ich denke nicht, dass es von Weißen erwartet werden sollte."

Freitag, April 20, 2018

"Das ist die Talibanisierung unserer Lebenswirklichkeit" – News vom 20. April 2018

1. Zu den Menschen außerhalb der journalistischen Filterbubble, die den herrschenden Feminismus kritisieren, stößt jetzt auch der Maler Neo Rauch. Im Interview mit dem "Handelsblatt" erklärte er:

Als jemand der (...) in der DDR aufgewachsen ist, spielte der Feminismus für mich natürlich überhaupt keine Rolle. Die Frauen waren in der DDR gleichberechtigt. Sie haben das Gleiche verdient wie die Männer und sie waren in jeder Hinsicht sehr selbstbewusst, auch in erotischer. Sie meldeten ihre Bedürfnisse ganz ungefiltert an. Und dann brach die Wende über uns herein und es veränderte sich sehr viel im Miteinander der Geschlechter. Das nimmt jetzt Fahrt auf in einer Art und Weise, der ich nicht immer ganz folgen kann. Auch nicht folgen will. Diese Übersensibilität, die jetzt Raum greift, die oftmals über das Ziel hinausschießt …

Handelsblatt: ... wenn zum Beispiel in Berlin das Gedicht "Avenidas" von einer Hauswand entfernt wird, weil es angeblich frauenfeindlich ist?

Rauch: Grauenvoll! Das ist eine Talibanisierung unserer Lebenswirklichkeit, die einem vorauseilenden Gehorsam entspricht, den ich nur verabscheuen kann. Ich schlage vor, anstelle der "Avenidas" folgende Zeilen von Bertolt Brecht anzubringen: "... oh wenn Ihr wüßtet, wie ich leide, seh ich eine schöne Frau, die den Steiß in gelber Seide schwenkt im Abendhimmelblau". Immerhin ein linker Autor, schon mal gut!


Diesen vorauseilenden Gehorsam, so Rauch und seine ebenfalls intervewte Partnerin Rosa Loy, kenne man aus der DDR sehr gut, auch wenn es dort kein Verbrechen gewesen sei, der Schönheit der Frau eine Huldigung darzubringen.

Großformatige Werbeplakate mit spärlich bekleideten Frauen empfindet Rauch weniger frauen- als männerverachtend: "Man wird auf das Stadium eines Straßenköters heruntergestuft, wird auf seine Reflexstruktur reduziert." Auf eine Frage zur "männerdominierten" Kunstbranche erwidert Rauch:

Es ist ja nicht so, dass nur die Männer die Bösewichte sind. Es gibt mitunter auch in unserer Branche Frauen, vor denen man die Frauen eigentlich in Schutz nehmen sollte. Rosa, wir haben das schon oft erlebt, dass gerade du von Frauen ausgegrenzt wurdest, von Galeristinnen oder von Jurorinnen. Es waren fast immer die Frauen, die sich gegen dich verschworen haben.




2. "Die Genderisierung im Sprachgebrauch nervt" befindet Sophie Rauch in einem Leitartikel des Hamburger "Abendblatts".



3. Der Chefredakteur Jens Clasen betreibt auf Twitter "Virtue Signalling", indem er sich als besonders frauenfreundlicher Mann präsentiert, der sogar die Straßenseite wechsele, wenn vor ihm eine Frau jogge. Dafür wird er inzwischen reihenweise verarscht.



4. Das Magazin "Neon" war eine der ersten Zeitschriften, die Männerrechtler als Deppen darstellte. Jetzt wird das Heft wegen einer katastrophal niedrigen Auflage eingestellt. Hätte man die Menschen außerhalb der journalistischen Filterbubble vielleicht doch etwas ernster nehmen sollen?



5. In einem Artikel darüber, wie er als Hausmann scheiterte, berichtet Oliver Füglister vom Argwohn von Müttern und wie ihn seine Frau nicht mehr als männlich-begehrenswert wahrnehmen konnte. ("Sie wünschte sich einen Mann, der 'voll und ganz im Leben' steht (...), auf den sie 'stolz' zeigen könne.")

Bemerkenswert sind in dem Beitrag Zeilen wie "Ich war privilegiert: Meine Frau finanzierte alles". Wenn Frauen sich in dieser privilegierten Situationen befinden, werden sie von Feministinnen wie Betty Friedan mit Häftlingen von Konzentrationslagern verglichen, und die deutsche Feministin Bascha Mika fabuliert: "Wir sind Geiseln, die gelernt haben, ihre Geiselnehmer zu lieben." Es ist immer weider erstaunlich, wie identische Lebenssituationen mal als enormes Glück und mal als unsägliches Verbrechen dargestellt werden, je nachdem ob ein Mann oder eine Frau davon betroffen ist.



6. Die Nachrichtenagentur Associated Press widmet sich den männlichen Opfern sexueller Übergriffe, die von der MeToo-Kampagne weitgehend ignoriert wurden:

Für einige männliche Opfer von sexuellen Übergriffen und Missbrauch, kann sich #MeToo mehr wie #WhatAboutMe anfühlen?

Sie bewundern die Frauen, die über traumatische Erfahrungen als Opfer von Übergriffen und Belästigungen sprechen, und fragen sich, ob Männer mit ähnlichen Narben jemals ein vergleichbares Maß an öffentlicher Empathie und Verständnis erhalten werden.

"Weil die Bewegung ausschließlich mit Frauen begann, fördert sie meine Einsamkeit als ehemaliges Opfer", sagte Chris Brown, Musikprofessor an der University of Minnesota. Er gehörte zu mehreren Männern, die im Dezember den berühmten Dirigenten James Levine beschuldigten, sie vor einigen Jahrzehnten als Teenager missbraucht zu haben, was zu Levines kürzlicher Entlassung durch die Metropolitan Opera Company führte.

"Männer gelten historisch gesehen als die Bösen", erklärte Brown und verwies auf die öffentliche Meinung. "Wenn einige Männer Frauen missbrauchen, dann sind wir alle Missbraucher ... also verdienen wir es, dass wir selbst missbraucht werden."

Browns Gefühl der Distanz zur #MeToo-Bewegung wird von anderen missbrauchten Männern geteilt - einige von ihnen haben einen #MenToo-Hashtag auf Twitter benutzt.

"Wir sind nie willkommen bei der Parade", sagte Andrew Schmutzer, Professor für Bibelstudien am Moody Bible Institute in Chicago, der über Missbrauch als Teenager geschrieben hat.

"Als männlicher Überlebender bist du immer eine Ergänzung", sagte er. "Du bist nie das Hauptthema einer Unterhaltung."

(....) Der New Yorker Psychoanalytiker Richard Gartner, ein Mitbegründer von MaleSurvivor, sagt, es gebe ein gesteigertes öffentliches Bewusstsein für den sexuellen Missbrauch von Männern in der Kindheit als Folge der großen Aufmerksamkeit für Skandale innerhalb der römisch-katholischen Kirche und an der Penn State University, wo Jerry Sandusky ein Assistenztrainer war, bevor er 2012 wegen sexuellen Missbrauchs von zehn Jungen verurteilt wurde. (...) Die Skandale der katholischen Kirche und des Penn State verstärkten die weit verbreitete Auffassung, dass der sexuelle Missbrauch des Kindes überwiegend von Männern begangen wird, aber Gartner sagte, dass der Missbrauch von Frau zu Mann "nicht so selten ist, wie man denkt".

Laut einer groß angelegten Studie, die 2005 von Forschern der Federal Centers for Disease Control and Prevention veröffentlicht wurde, machten weibliche Täter 40 Prozent des sexuellen Missbrauchs von Jungen aus. Die Studie ergab, dass sowohl Männer als auch Frauen, die als Kinder missbraucht wurden, doppelt so häufig wie andere Menschen später im Leben Selbstmord begehen.

(....) Joan Cook, die Yale Professorin, sagte, sie sei begeistert von der Größe der #MeToo Bewegung, aber frustriert im Namen der misshandelten Männer, die "nicht unter dem Zelt eingeschlossen zu sein scheinen".

"Frauen haben so lange darauf gewartet, dass sie ihr Recht bekommen, also gibt es vielleicht eine Haltung von: 'Nimm mir nicht meine Stimme weg'", sagte Cook. "Aber es ist kein Wettbewerb. Auch Männer haben lange gewartet, und sie sollten nicht warten müssen. Sie sollten jetzt gehört werden."

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